Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2561
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authentischen Messgewandes ausführlicher liefern , das sowohl 
in Bezug auf Stoff und äussern Schnitt, als auch in Hinsicht der 
reichen figurativen Stickereien für die formelle Entwickelung 
der Casel bei'm Aufkommen. des Spitzbogenstyls von grosser 
Wichtigkeit ist. Hier sei nur noch im Vorbeigehen bemerkt, dass 
in dieser merkwürdigen uplaneta" die sterbliche Hülle des Cülniv 
sehen Suffragan-Bischofs und Dominicaners Albertus, eines der her- 
vorragendsten Männer seines Jahrhunderts, 1) bei seinem in Cüln 
um das Jahr 1280 erfolgten Tode im Chore der von ihm erbau- 
ten Dominicaner-Kirehe beigesetzt wurde. Bei der gewaltsamen 
Zerstörung dieses edeln Bauwerkes fand man auch die sterbliche 
Hülle des grossen Albertus, angethan mit dem eben gedachten 
PontiticaIgenYande in blauem, plüschartigen Sammet, das Wegen der 
Festigkeit seiner Textur mehr" als 500 Jahre allen Einflüssen der 
Verwesung Widerstand geleistet hat. 
Ein anderes nicht minder merkwürdiges kostbares Sammet- 
gewebe, das "für die hohe Perfeetion der Sammetfabrication bereits 
im frühen Mittelalter vortheilhaft Zeugniss ablegt, hat sich noch 
erhaltene in der Prachtpluviale, die seit dem ltlrscheinen der „v0- 
yage liturgique" als Pluviale Leo's III. gehalten wird. (Vergl. 
in der III. Lieferung die nähere Beschreibung und Abbildung 
derselben.) Das zarte Sammetgeivebe an diesem ausgezeichnet gut 
erhaltenen „indumentum imperiale" ist von dunkelrother Farbe und 
mit tcassettartigen Quadraturen netzförmig durchzogen. 
Dasselbe Dunkel, das über den Zeitpunkt des Beginnes der 
Sammetfabrication herrscht, schwebt auch in Bezug auf das Land, 
von welchem dieser einträgliche Industriezweig seinen Ausgang 
genommen hat. Jedenfalls waren die Wiegenlitnder der Seidenma- 
nufactur Persien, Arabien, Egypten und Byzanz schon vor dem 
XII. Jahrhundert im Besitze der einträglichen Kunst, vermittels 
einer Kette (ehaine) mit Einschlag von Gfachen Fäden (daher auch 
das Numerale S"; und yärog-Faden) ein Gewebe anzufertigen, das 
1) Was "Wissenschaft  Kunstdem frühem Bischof ven Regensburg und Suf. 
fragan-däiscliof von .Culn Albeitus Magnus verdanken, ist ausführlicher zu er. 
sehen 111 dem trcffhchen Werke ven Professor Krcuser "der christliche Kir- 
cheäbalgdseixgle GeSCllllillllfä, Syrnbällkbäildnerei etcfi Seite 373__379_ 
355 a5 Gütige 11 T111 männlsc e "Ü T1 , in Vorzeiten das "billige" genannt, 
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Hügel vor; St: Andreas befindlich, ärmlich die lllülllce edle: Igrhsslgn ellxäziiluzs 
birgt. Eine gediegene Biographie dieSeS „Geistesriesen" des Mittelalters wird 
äxoüentliclrbald die Presse verlassen, hervorgegangen aus der gewandten Fe- 
er des Herrn Dr. Friedhardt in Freisingen.
        

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