Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2553
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Wendung gebracht wurde. Das nach unserm Dafürhalten älteste Vor- 
kommniss eines Originalstoffes mit aufstehender geschnittener Seide 
auf einem festen Serge-Gewebe findet sich in dem Pergamenteodex 
des Theodulf (XII. Jahrhundert) zu Le Puy im südlichen Frank- 
reich. In diesem codex membranaceus, 1) auf den wir später noch 
zurückkommen werden, sind nämlich eingenaht 63 Zwischenlagen 
von äusserst zarten und delicaten Geweben , die verhüten sollen, 
dass durch irgend eine Friction die kostbaren Miniatur- und Ini- 
tialmalereien Schaden nehmen. 
Von diesen (33 kostbaren Gewandresten haben sich glückli- 
cher Weise bis heute noch 53 erhalten. 2) 
Auch in der seit den Tagen der Reformation verschlossenen 
Unterkirche des Domes zu Halberstadt entdeckten wir nach Eröffnung 
der alten Gewandsehränke im F rühjahre 1854 zu unserer nicht geringen 
Ueberraschung mehrere plüschartige ältere Sammetgewcbe meistens 
in dunkelblauer und rother Farbe, deren reiche Ornamentsticke- 
reien im romanischen Charakter deutlich die Anfertigung die- 
ser Stoffe gegen Ende des XII. Jahrhunderts erkennen liessen. 
Mit dem XIII. Jahrhundert kömmt das Tragen von schweren 
Sammetstoffen, die damals noch hoch im Preise standen, schon 
häufiger in Gebrauch; auch wurde er um diese Zeit seiner Festig- 
keit wegen bei Beerdigung der Leichen hoher Verstorbenen ange- 
wandt; ebenso findet man ihn an Einbänden von Evangeliarien und 
Missalen seiner Dauerhaftigkeit wegen um diese Zeit häufig in 
Anwendung gebracht. 
Aus der letzten IIälfte des XIII. Jahrhunderts stammt auch 
jenes merkwürdige Messgewand des Albertus Magnus in falten- 
reicher, mittelalterlicher Form, das sich heute noch in der Sacri- 
stei der Pfarrkirche St. Andreas zu Cöln befindet. Dasselbe be- 
steht ebenfalls aus einem festen, lang geschnittenen Blau-Sammet, 
Plüsch, und misst in seiner grössten Länge 5 Fuss 1 Zoll, bei ei- 
ner Breite von 4 Fuss 41A Zoll. 
Wir werden in einem folgenden Abschnitte unter Hinzufü- 
gung einer genauen Abbildung die Beschreibung dieses seltenen 
i) Eine detaillirte Beschreibung dieser in dem gedachten Codex vorfindlichen 
merkwürdigen Stoffe nebst einigen Abbildungen verdankt man dem Mons. Ph. 
Herlde, als kurzes nmemoire" veröffentlicht in den Annales de In soeiete (Tagri- 
culture, sciences, arts et commerce du Puy pour 1337-1838. Au Puy, de 
Pimprimerie de J. P. Goudelet 1839, in 30, pag. 168-224, avec deux 
planches. 
T) Aehnliche Zwischcnlagen von sehr merkwürdigem Gewebe und Zeichnung fan- 
den wir mehrere in alten Miniaturwerken der reichhaltigen Bibliotheken zu 
St. Gallen, Monte Cassino, Palermo etc. etc. 
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