Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2519
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um schliesslieh das V orhergegangene nochmals kurz zusammenzu- 
fassen, jene meist kostbaren Gewebe, die von den Tagen des J us- 
tinian bis zu den Zeiten der Hohenstaufen im Dienste der Kirche 
angefertigt wurden, und zwar ist, wie im ersten Capitel gezeigt 
wurde , der Orient noch allein der Monopolist , d. h. Griechen, 
Araber, Perser, Indier sind um diese Zeit in dem alleinigen Be- 
sitze der einträglichen Kunst, aus der Rohseide reiche Gewebe an- 
zufertigen: wir möchten diese Periode mit einer generellen Be- 
zeichnung als die orientaliseh-byzantinische benennen. 
Die Stoffe dieser Periode waren, so weit sie an alten prie- 
sterlichen Gewändern noch zu unserer Anschauung gelangt sind, 
meist sehr schwer und dicht gewebt und in der Regel uni gehal- 
ten, d. h. ohne Muster; 1) in der Wahl der Farbe bei liturgischen 
Ornaten herrscht. gewöhnlich die gelbe, grünliche, rothe und Pur- 
pur-Farbe vor. 
Kommen in diesen alten Stoffen Dessins vor, so sind es in 
der Regel mathematische Figuren, Polygone oder Kreise, die zu- 
weilen zusammenhängende, phantastische Thierbildungen einfassen. 
Seltener erscheinen in diesen Seidengeweben Brochirungen in 
Goldfäden; sind jedoch Dessins in Gold ersichtlich, so sind sie in 
der Regel gestickt und nicht eingewebt. 
Die zweite Periode der Seidenmanufactilr im Mittelalter fiele 
vom Antritt der Regierung Kaiser Friedrichs I. (1152) bis zu den 
Zeiten Kaiser CarYs IV. (1347). Es war dies die Zeit, wo die 
Kunst des WVebens dessinirter kostbarer Zeuge bei den Arabern, 
Mauren, Saracenen ihren Höhepunkt erreicht hatte und die zur 
Blüthe gelangte Seidenmanufactur in den Städten Italiens Palermo, 
Lucca, Florenz, Mailand etc. (vgl. Seite 46 u. 47), als Rivalin den Sieg 
über ihre moslim'sehen Concurrenten und Lehrmeister davon trug. 
Mit einem allgemeinem Ausdrucke kann man diesen interessanten 
Zeitabschnitt der mittelalterlichen Seidenindustrie den arabisch-ita- 
liänischen benennen. Die SGidCDZBLIgO, die im vorhergehenden 
Abschnitte meist einfarbig gehalten waren, werden jetzt, wo die 
Kunst des Wlebens sich bedeutend entwickelt hatte, in der Regel 
vielfarbig. Das Gewebe selbst wird leichter und zarter, die Zeich- 
nungen beweglicher und schwungvoller und meist werden diesel- 
ben jetzt in Gold brochirt. 
Eine solche äusserst schwere Uni-Seide, eine Art geköperten Levantin, zeigen 
die Messgewänder des h. Anno, des h. Benno, des h. Heribert; später wird 
ausführlich hiervon die Rede sein.
        

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