Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2502
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grössern Rosen befindlichen Aepfelchen (pomella) , verdienen 
ihrer Verwandtschaft wegen mit den spätern Fruchtbildungen in 
WVeise der Annanas, des Granatapfels, Beachtung. Jedenfalls stand 
in der Seidenmanufactur das auf TafelV abgebildete Gewebe nicht 
vereinzelt, sondern es repräsentirte dasselbe zweifelsohne eine grosse 
Folge verwandter Dessins , unter denen mehrere , vielleicht noch 
deutlichere Vorbilder für die näher beschriebenen gothischen 
Muster abgeben mochten. 
Gleichwie man aus den Detail-Formen der Architektur, der 
Sculptur, der Malerei, der Goldsehmiedekunst des Mittelalters das 
ungefähre Alter der einzelnen einschlagenden Kunstobjekte mit 
ziemlicher Sicherheit bestimmen kann, so kann man auch nach 
Vergleich einer grossen Zahl kunsthistorischer Gewebe und ge- 
stützt auf die in den Geweben vorfindlichen Muster, annähernd 
angeben, nicht nur wann ungefähr einzelne noch voründliche des- 
sinirte Gewebe des Mittelalters ihr Entstehen fanden, sondern bei 
näherer Beobachtung der Farben, der Art des Gewebes und bei 
sorgfältigem Vergleichen der Dessins unter ein anderes lässt sich 
auch in etwa wenigstens herausfinden, welcher Fabrication und 
welchem Lande das vorfindliche Gewebe angehört. 
Nach längern Detail-Studien der vielen noch vorfindlichen 
Cultgewvänder in verschiedenen Ländern des Occidentes und ge- 
stützt auf eine reichhaltige Privatsammlung mittelalterlicher Ori- 
ginalgewebe haben wir, nach Vorgängern vergebens uns umsehend, 
den allerdings gewagten und vielleicht allzu kühnen Versuch angestellt, 
im Vorhergehenden die Geschichte der Entwickelung der Seidenma- 
nufactur zunächst zu kirchlichen Zwecken unter Beifügung von 
Abbildungen älterer Originalstolfe chronologisch zu fixiren. 
Bei Ausarbeitung der vorstehenden skizzirten Beiträge zur 
Geschichte der mittelalterlichen Wveberei sind wir zur Ueberzeu- 
gung gelangt, dass noch gar manche und grosse Lücken in der 
oben versuchten chronologischen Classiiicirung der ältern noch 
vorfindlichen Originalgewebe auszufüllen seien und möchten wir 
daher das im Vorhergehenden Gesagte bloss als einen Fingerzeig 
für eine spätere , gründlicherc und ausführliche Bearbeitung der 
angeregten Aufgabe gesagt wissen. Das vorläufige Resultat, zu 
dem wir bei näherm Eingehen auf die eben bezeichnete Materie 
gelang-t sind, ist das deutliche Erkennen, dass bei der Frage nach dem 
Ilerkommen, der Art und Beschaffenheit jener kostbaren Stoffe, de- 
ren sich die Kirche zu Cultzwecken im Mittelalter vorzüglich be- 
diente, sich drei Hauptperioden abgrenzen lassen. Es gehören 
nämlich zu der ersten Entwickelungsepoche der Seidenmanufactur,
        

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