Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2492
 
hat und die Gothik nicht durch den glücklichen Fund eines Uni- 
versalgeniäs mit einem Male an's Tageslicht getreten ist; so hat. 
ein längeres Vergleichen der specifisch gothischen Gewebe mit 
denen der vorhergehenden romanischen Kunstepoehe uns die Ueber- 
zeugung beigebracht, dass die Keime dieses stereotypen Dessins 
bereits in orientalischen Geweben vorgebildet waren und dass das 
fragliche Motiv nur als eine weitere Entwickelung und stylistisch 
cigenthümliehe Durchbildung verwandter arabischer oder griechi- 
scher Muster zu betrachten ist. Schon die von Anastasius Biblioth. 
im Vorhergehenden bezeichneten Stoffe „pallia serica rotata" kön- 
nen in etwa als Einleitung und Vorbedingungen zu den in Rede 
stehenden Mustern des XV. und XVI. Jahrhunderts betrachtet 
werden. 
Aehnlich mit diesen meist byzantinischen Stoffen entwickelten 
sich gegen das XII. und XIII. Jahrhundert in der saracenischen 
und maurischen Seidenmanufaetur netzförmig zusammenhängende 
Rundungen in Form einer Elypse; auch kommen in diesen Ge- 
weben verbundene Kreise vor, mit aufgesetzter Spitze nach Art 
der sogenannten Eselsrücken, die statt Thierbildungen ein immer 
wiederkehrendes Piianzenornament umschliessen. Um das Ebenge- 
sagte im Bilde zu veranschaulichen , theilen wir auf Tafel V die 
Copie eines interessanten Damastgewebes 1) mit, das wir der Frei- 
gebigkeit des Hochwürdigsten Herrn von Stahl, Bischofs von 
Würzburg, verdanken. Dasselbe fand sich vor an einem sehr alten 
aber bedeutend schadhaften Messgewande, in Form der ältern ca- 
sula oder campanula. 
lNlach dem romanisirenden Blattwerk von schönem Schwung 
zu urtheilen, wären wir nicht abgeneigt, dieses Gewebe, der brei- 
ten Ornamente in einem ausgeprägten Style wegen, dem Beginne 
der italiänischen Weberei auf sicilischem Boden gegen Schluss 
des XII. oder Beginn des XIII. Jahrhunderts zuzuweisen. 
Es ist nicht zu verkennen , dass das Hauptmotiv dieses Ge- 
webes, die sich parallel fortsetzende fünfblätterige Rose, viele 
Analogien mit dem verwandten retournirenden Motive auf Tafel 
XVII und XIX bietet. Diese fünfblätterige Rose , wie wir sie 
nennen wollen, umschliesst wiederum ein kleineres Dessin mit neun 
Blättern , wie dasselbe häufig in den gothisirenden Mustern am 
Schluss des Mittelalters vorkömmt. Auch die kleinen zwischen den 
1) Um die chronologische Aufeinanderfolge der Dessins auch ohne Durchlesung 
des Textes für das Auge besser zu veranschaulichen, sahen wir uns veran- 
lasst, die vorliegende Copie unter TafelV bei den romanischen Geweben und 
nicht zu Schluss bei denen des altdeutschen Styls folgen zu lassen.
        

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