Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2464
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werk in Form eines Zickzacks aus dessen Ecken ebenfalls die mehr- 
fach gedachten Fruehtkapseln hervorsprossen. 
Übgleich wir dieses interessante Gewebe als Bruchtheil einer 
alten Dalmatica im nördlichen Deutschland vorfanden, nehmen wir 
doch keinen Anstand, auch diesem Stoffe das nördliche Italien 
als Heimath zuzuweisen. Es würde uns ein Leichtes sein, die Be- 
schreibung ähnlicher Saminet- und Damastgewebe, im selben Sy- 
steme gehalten, hier zu vervielfachen und durch Abbildungen nä- 
her zu erläutern; indessen wird sich später in einem folgenden Ab- 
schnitte Gelegenheit bieten, bei Bespreehung der schönen Gewebe 
in einem ernsten kirchlichen Charakter aus der Fabrik des Herrn 
Casaretto und der Herren Le Mire , pere et fils in Lyon , diese 
fast stereotyp gothischen Muster in nähern Betracht zu ziehen und 
durch Abbildungen zu erläutern. 
Es sei uns gestattet auf Tafel XVI noch eine getreue Copie 
eines in Gold und Farbe brochirten weissen Seidcndalnastes fol- 
gen zu lassen, der in mehr als einer Beziehung ein archäologi- 
sches Interesse hat und der zugleich auch für die heutige Nach- 
ahmung als geeignet befunden werden möchte. Derselbe stammt 
aus Nürnberg und schien es uns, als ob derselbe von dem Rest ei- 
nes Rauchmantels (pluviale) herrühre. 
Die F abrication und Technik des Gewebes ist vollständig die- 
selbe, Wie die der beiden. zuletzt beschriebenen Originalgewebe; 
das Dessin jedoch dürfte mit den übrigen noch vorfindlichen Stof- 
fen des ausgebildeten gothisehen Styles kaum noch Analogien 
finden. 1) Es Wiederholt sich nämlich das Dreiblatt (trifoliuni) in 
dreimal verschiedener Form und verschiedener Grösse. Das mitt- 
lere grössere Ornament, dem die beiden andern beigeordnet sind, 
zeigt uns die Form des wtrefle", dessen drei Blätter nicht rund, 
sondern in gothischer Manier zugespitzt sind. Von den innern in 
rother Farbe brochirten Sternchen gehen Nebenbläitter nach drei 
Seiten aus, die das grüssere Dreiblatt einfassen. Die drei Spitzen 
des Hauptniotivs umgeben jedcsmal drei Aepielchen, in Gold bro- 
chirte Fruchtbildungen, die in etwa an die Fruehtcapseln der bei- 
den zuletzt besprochenen Abbildungen erinnern. Den drei Seiten 
gegenüber, wo das Trifolium ansetzt und Einschnitte bildet, zei- 
gen sich ebenfalls drei kleinere Ornamente in Weise eines „Drei- 
L 
Wir erinnern uns, bei Gelegenheit der Ausstellung mittelalterlicher Kunst- 
werke zu Crefeld im Sommer 1852, auf einem altdeutschen Gemälde 
aus der Kirche zu Rheinberg, in einem reichgemalten Teppiche ein ähnliches 
höchst merkwürdiges Dessin gesehen zu haben, dessen Formbildungcil uns 
einem in der Gothik oft vorkommenden Dreiblatt heworgingen.
        

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