Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2456
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jedoch nach Vergleichung vieler Hundert Gewebe mit den oben 
angedeuteten retournirenden Dessins von der eben beschriebenen 
Auffassung und Stylisirung gaben wir in etwa zu , dass eine 
symbolische Grundidee in diesen Stoffen sich wohl durchspielen 
könne. Zur leichtern Veranschaulichung des eben Angedeuteten 
mögen hier einige in unserm Privatbesitz vorfindliche schwere 
Damastgewebe eine kurze Beschreibung finden. 
Tafel XVII gibt die gelungene Abbildung eines schönen Ge- 
webes in weissem Seidendamast zu erkennen, das wir in Siena unter 
werthlosen Stoffen der Renaissance anzukaufen Gelegenheit hatten. In 
reichen Goldbrochirungen verästelt sich durch das ganze Gewebe 
netzförmig ein Ornament, zusammenhängende hexagone Figuren bil- 
dend, die jedesmal eine von Blüthen und schön stylisirtem Laub- 
werk umgebene Fruchtcapsel einfassen. Diese, der Melone oder 
Annanas nicht unähnliche Fruchtbildung, ebenfalls in Gold bro- 
chirt , umgibt eine siebenblätterige Rose, die auf der Abbildung 
durch einen dunkelern gelblichen Farbton angedeutet ist. Nach 
den vielen Analogien ähnlicher Stoffe, die wir in den verschiede- 
nen Sacristeien Italiens , bei einem längern Aufenthalte daselbst. 
zu sehen Gelegenheit hatten, halten wir dieses reich Ornamen- 
tirte Damastgewvebe als ein ausgezeichnetes Product der italiäni- 
schon Seidenmanufactur aus der letzten Hälfte des XV. Jahr- 
hunderts. 
Noch fügen wir hinzu, dass der Goldfaden in diesem Stoffe 
nicht mehr auf die ältere im Vorhergehenden bezeichnete Weise 
präparirt ist, sondern dass er entstand durch Umspinnung eines 
gelben Seidenfadens mit einem zarten vergoldeten Silberdraht. 
Ein nicht weniger interessantes Damastgewvebe, nicht nur al- 
lein in Bezug auf Farbe und Textur, sondern vorzugsweise auch 
rücksichtlich der Composition des gefälligen Dessins zeigt 'l'afel 
XIX,  Der Fond des delicaten Stoffes, der durch die Kette ge- 
bildet wird, ist hellblau; die Dessins sind durch den Einschlag 
in gelber Farbe hervorgebracht. 
Die Frucht. des „pomn1es dlamour"  wenn man sie nun einmal 
als solche betrachten will, wird von einem reichen Blüthenkranz umge- 
ben. Dieses immer retournirende Hauptmotiv umgibt einer Art von Dor- 
nengeflecht; hieran schliesst sich wieder wie auch auf Abbildung 
XVII eine grössere, das Ganze contourirende siebenblätterige Rose, 
die oben von einer Krone überragt wird. Dieses Motiv setzt sich 
nach gleichen Zwischenräumen fast streifenförmig geordnet fort. 
Zwischen diesen parallel fortlaufenden Rosen zeigt sich ein Flecht-
        

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