Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2444
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oft in Blüthe prangend, zuweilen auch mit einigen F ruchteapseln und 
mit kräftig stylisirtem gothisehenvBlätterWerk umgeben. Diese so- 
genannten pommes dlamour, die sieh in gleichen Zwisehenräutnen 
wiederholen , sind regelmässig umgeben von einer fünf-, sieben- 
oder neunblätterigen Rose, deren Blätter nicht kreisförmig gebil- 
det, sondernwelehe in der Form des sogenannten Eselsrüekens 
meist nach oben._eine Spitze tragen. Diese Rosenblattbildungen sind 
häuüg nur in schmalen Conturen, meistens in" Sammet- oder Da- 
mastwebereien angedeutet. Unsere Sammlung von mittelalterlichen 
Üriginalwebereien enthält mehr als 120 Nummern, meistens aus der 
letzten Hälfte des XV. Jahrhunderts herrührend, von schweren 
Seiden- und Sammetgeiveben , Worin als wiederkehrendes Dessin 
der eben beschriebene Granatapfel, umrandet von einer vielblattc- 
rigen Rose, als stereotypes Motiv in unzähligen Modificationen 
variirt. 
Fast sollte man glauben, dass dem eben beschriebenen Haupt.- 
lnotiv des Granatapfels von einer vielblätterigen Rose umrandet, 
"eine tiefere Bedeutung unterlegt worden sei. Dieses beliebte Or- 
nament,vdas sich als Grundthema mit allen möglichen Modificatio- 
xien lange Zeit hindurch in kostbaren Seiden- und Sammetstollen 
bei Schluss des Mittelalters erhielt, haben Einige in folgender Weise 
erklären wollen. 
Der stets wiederkehrende blühende Giwiii;1,tu,pfel sei das 
Symbol der Liebe; der Granatapfel mit seinen Blrtiehten (poin- 
mes d'amour), wie er ebenfalls immer wieder in diesen Ge- 
weben vorkommt, bedeute  die Liebe , die sich im Glau- 
ben thätig erweise und Früchte bringe zum ewigen Leben. So 
würde sich auch die Krone erklären, die meistens über dem Gra- 
natapfel schwebend, dargestellt sei. Die werkthatige, aufopfernde 
Liebe nämlich findet dort oben ihr Verdienst, ihre Krone. Aber 
kein Sieg ohne Kampf und keine Krone ohne Mühe und Anstren- 
gung; deswegen umgebe auch den Granatapfel mit seinen Früch- 
ten in diesen Stoffen zuweilen ein Dornenkranz. 
Vielen mag vielleicht die Deutung des vorliegenden Ornamen- 
tes in etwa gewagt erscheinen; auch wir konnten uns AllftlllgS 
nicht leicht dazu entschliessen, eine solche symbolische tiefere Er- 
klärung zuzugeben, zumal ältere Schriftsteller bei Beschreibung 
der Gewänder mit diesen Mustern nichts derartiges eiwvahnen; 1) 
      l 1' gr 
B01 Schriftstellern des XV. Jahrhunderts, f" W19 m Inwrftzvulnikjlrl]: 151, 
Zeit werden diese Damaste gewöhnlich bezexchnet- als vpßnnl W119 
gulis et pomellis".
        

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