Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2436
der Textur und eine solche Biegsamkeit und Phantasiefülle in Be- 
zug auf geistreiche Composition der Dessins zu geben, dass schon 
im XIII. Jahrhundert. die Stoffe jenseit des Meeres, die mauri- 
sehen und saracenischen Gewebe 1) allgemein gesucht wurden. 
Besonders verstand es der Moslim, die Erzeugnisse der Pflan- 
zenwelt auf eine sehr geniale Weise mit denen der Thierwelt zu 
verbinden (vgl. Taf. VIII. und  Diese durchdachten Verschlingun- 
gen von Pilanzenornainenten , durchwebt mit originell stylisirten 
phantastischen Thieren und zuweilen auch durchflochten mit Lob- 
sprüchen auf Dynasten (vgl. Taf. VI und VIII) oder mit arabi- 
schen Texten aus dem Koran, erhielten schon frühe den noch jetzt 
üblichen Gesammtnamen: .„Arabesken" und waren diese Ürna- 
mente in reichen Seiden- und Sammetgeweben auch für die christ- 
lichen Nachfolger und spatern Rivalen in der Seidenmanufactut- 
noch lange Zeit hindurch maassgebend.  Noch das ganze XIV. 
Jahrhundert hindurch lassen die Erzeugnisse italiänischer Manu- 
facturisten es deutlich erkennen, dass sie bei faconnirten Stoffen 
der Ornamentationsweise ihrer Lehrmeister und Vorgänger , der 
Araber, oft ängstlich nachzuahmen suchten (vgl. Taf. IX und 
XIV). Erst mit dem Sehlusse des XIV. und Beginn des XV. 
Jahrhunderts sucht sich die italianische Itlabrication von den orien- 
talisehen Traditionen bei Composition der Zeichnungen für reichere 
Seidengewebe loszumachen.  
Als Folge dieses Aufgebens der überlieferten typischen Vor- 
bilder erscheinen jetzt die Seidengewebe mit historisch-figurirten 
Darstellungen, die meistens der biblischen Geschichte angehören 
oder auch Scenen aus dem Profanleben zur Anschauung bringen; 
(vgl. Taf. XI, XII, XIII). WVie es uns nach Durchsicht einer grossen 
Menge von Seidengeweben des XV. Jahrhunderts scheinen will, 
dauerte es jedoch bis zur Mitte dieses Jahrhunderts, ehe in den 
italiänischen fagonnirten Stoffen die Reminiscenzen der inoslim'schen 
Meister gänzlich verschwunden und sich ein eigenthümliches Des- 
sin geltend machte , Welches unter dem Eintlusse des gothischen 
Styles gebildet wurde. Seit dieser Zeit werden Gewebe mit natur- 
historisch figurirten Dessins immer seltener und es beginnt von 
jßtzt. ab stereotyp zu werden ein einziges Motiv, Welches sich in 
unzählig vielen lllodificationen und kleinern Variationen ein Jahr- 
hundert hindurch durehspielt.  Als feststehendes Ornament er- 
scheint in diesen Damast- und Sammetgeweben ein Granatapfel, 
 Sowohl in Gedichten der provengalisehen Troubadours und der deutschen 
Minnesänger begegnet man auf allen Blättern der Phwvähnung von Detoffes 
(l'ordre mer, etoffes sarrazius, moresque etc."
        

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