Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2416
Freunde der Verstorbenen zum Gebrauche für die Kirche gebrei- 
tet wurden. Dieser Gebrauch erhielt sich auch noch in der vor- 
liegenden Periode. 
Ferner waren auch im XVI. Jahrhundert die Innungen und Kunst- 
gewerke in verschiedenen Gegenden gehalten, ihrer Pfarrkirche ein 
Opfer an Seidengeweben darzubringen an dem Festtage ihres Pa- 
trons. Man liest nämlich in einem Statut vom Jahre 1531: „Es ist. 
festgestellt werden, dass jedes Gewerk ein neues Stück Sei- 
denstoff, je nach den Wrerhältnissen und dem Range der Innung 
sich beschaffe. Und an dem besagten Feste sollen Alle von der 
Genossenschaft oder dem Gewerke zusammen kommen in dem Ge- 
meindchause mit den Opferkcrzen und dem Scidenzeugc und 
während der Feier der Messe sollen sie auf eine geziemende Art 
ihr Opfer, bestehend aus diesen Lichtern und Geweben , dar- 
bringen. 1) 
Auch die Sterberegister (obituaria) grüsserer Kirchen liefern 
den Beweis, welche grossmüthige Geschenke an kostbaren priester- 
lichen Gewändern den Sacristeien beim Absterben von christlichen 
Layen testamentarisch zuflossen. Auf den zuletzt angeregten Punkt 
werden wir später zurückkommen und auch den Nachweis beibrin- 
gen, wie durch Synodalbeschlüsse die reichliche Beschaffung der 
kirchlichen Ornate vorgeschrieben und wie es bei grössern Stif- 
tern Gebrauch war, einzelne Präbenden vacant zu lassen, um aus 
den Revenüen derselben jährlich den Bedarf an kostbaren Ge- 
weben bestreiten zu können. 
Nach diesen Erörterungen über die verschiedenen Niederlas- 
sungen der Seidenmanufactur diesseits der Berge und über die 
Ursachen, wodurch diese neugegründete Industrie sogleich schon 
zu so grosser Blüthe sich entfaltete, Wollen wir die künstlerische 
und stoffliche Beschaffenheit der Seiden- und Goldgewebe näher 
in Erwägung ziehen, namentlich diejenigen Stoffe, die sich, litur- 
gischen Zwecken dienend, bis heute noch erhalten habenß) 
Um die Eigenthümliehkeiten der spätgothischen Dessins in 
den Stoffen des XV. und XVI. Jahrhunderts besser zu veranschau- 
i) Ex libro statutomm Pisauriensium 1531, etc. Acm sanct-orum J unii, tonnIIl, 
pag. 936, col. 1, B. 
9) Profangeivänder haben sich unseres Wissens aus dem XV. und XVI. Jahr- 
hundert bis heute fast keine mehr erhalten, woraus man in Bezug auf den 
allgemeinen Charakter der Zeichnungen in diesen Stoffen einen Schluss 
ziehen könnte, nur in einer Abtheilung des Königl. Sächsischen Museums zu 
Dresden sahen wir einige Anzüge in Seidenstoßen, dem XVI. Jahrhundert 
angehörend. 
        

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