Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2407
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der Vorfahren den ehrwürdigsten Zwecken gewidmet hatten, würde 
es eben keine leichte Aufgabe sein, in den Gewatndschränken unserer 
Kirchen die schönen Ornate aus der in Rede stehenden Blüthezeit 
der WVeberei und Stickerei zu zählen, Welche Ahnen vieler, heute 
noch existirender fürstlicher und adliger Geschlechter als fromme 
Donatoren aufzuweisen haben. Unter den vielen fürstlichen und graf- 
liehen Namen, die uns durch Inschriften und Wappen seither be- 
kannt geworden sind, zeichnete sich das Geschlecht der Herzogs 
von Cleve 1) durch seine grossartige Freigebigkeit aus. 
Reiche Messgewänder aus dem XV. Jahrhundert mit dem Rad- 
stern von Cleve und den Lilien von Burgund bestickt, fanden wir 
noch in mehrern Kirchen, z. B. in Wesel, Soest etc.  Die vie- 
len heute noch erhaltenen kirchlichen Ornatc inder Sacristei des 
Domes zu Brandenburg, sämrntlich aus der katholischen Zeit stam- 
mend, sind ebenfalls Belege dafür, wie sehr sich die kunstsinnigen 
Fürsten aus dem Hause Hohenzollern die Zierde der Kirche und 
den Schmuck der Altäre und ihrer Diener angelegen sein liessenß) 
Auch der niedere Adel, die Patricier und die wohlhabenden 
Bürger der Städte liessen sich im Mittelalter das Recht nicht neh- 
men , den Glanz der kirchlichen Feste durch Schenkung reicher 
liturgischer Gewänder zu heben. 
S0 war z. B. die im alten Cöln hochgeehrte Zunft der QVap- 
pensticker", von der wir im Folgenden ausführlicher handeln wer- 
den, vollauf besehäftigt, nach den vielen noch erhaltenen Kunst- 
werken dieser Zunft am Rheine zu urtheilen, den Bestellungen der 
reichen Patricier _und Bürger an kirchlichen Ornaten nachzukom- 
men. Dem Gebrauche der Zeit folgend, versäumten es denn diese 
Wappenstieker nicht, den Namen des Geschenkgebers und meistens 
auch den seiner Hausfrau mit in den reichen Goldstoif einzu- 
weben, und es geschah dieses in der löblichen Absicht, damit der 
Priester bei der Feier des h. Opfers ein wmemento" für Jene mit 
einlegen möchte, deren Namen oder Geschlechtszeichcn ihn fort- 
während an die fromme Schenkung erinnerten. 
Schon im Vorhergehenden ist bemerkt worden . dass bei 
Gelegenheit von Exequien mehr oder weniger reiche Gold- und 
Seidengewebe über die Tumba von Seiten der Verwandten und 
1) Zengniss von dem hohen Interesse für kirchliche Kunst der alten clevischeil 
Fürsten, die mit dem kunstliebenden Geschlechter der Herzoge von Burgund 
durch Heirath lange Zeit verwandt waren, legen ab die vielen Kirchen- 
malereien, Sculpturen, Kirchengefässe am ganzen Niederrhein entlang, welche 
heute noch. das Wappen ihrer erlanchten Stifter an der Stirne tragen. 
2) wir werden einige derselben später beschreiben und (lurch Zeichnung cr- 
äutern.
        

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