Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2397
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Gewänder entwerfen wollten, wie sich dieselben in den Schatzver- 
zeichnissen der grössern Kirchen des Occidentes noch benannt finden. 
 Trotz der Stürme und der Geschmacklosigkeit der letzten 
Jahrhunderte haben sich in vielen Kirchen noch, wenn auch ver- 
stümmelt, verschnitten und entstellt, bedeutende Ueberreste jener 
Prachtgcwänder und Stoffe erhalten, die von der Vorliebe unserer 
Vorfahren für die WVürde und Zierde des Hauses Gottes Zeugniss 
ablegen, die zugleich aber auch in ästhetischer und technischer 
Beziehung sprechende Belege sind, welche Höhe die Manufaeturen 
für Gold- und Seidengewebe in Italien, Frankreich und den Nie- 
derlanden in Bezug auf ihre Leistungen für Kirehenornate in der 
in Rede stehenden Periode eingenommen hatten. 1) 
Forschen wir nach den Ursachen, wie es kam, dass die Kirche 
gegen Ausgang des Mittelalters ausser der Architektur, der Ma- 
lerei, der Sculptur, auch der WVeberei diese Aufmunterung und 
Unterstützung in einer Weise angedeihen lassen konnte, die jetzt 
noch bei dem so gepriesenen Fortschritt in der Manufactur unser 
gerechtes Staunen erregt. Nicht nur bot die Kirche selbst in einem 
langjährigen wohlerworbenen Besitze für die in Stiften, Abteien 
und Klöstern zahlreich gewordene Geistlichkeit, wie oben schon 
bemerkt, reichlich die Mittel, sondern auch die F reigebigkeit und 
Frömmigkeit der Gläubigen liess keine Gelegenheit vorbeigehen 
die Kirche und ihre Priester mit den reichsten Geweben für die 
Feier des Gottesdienstes zu beschenken. 
Die Geistlichkeit und der Adel gingen in diesem edeln Wett- 
eifer dem lätricier und Bürger voran. So finden wir wenige 
bischöfliche und Stiftskirchen , in Welchen nicht heute noch meh- 
rere Prachtgewätnder mit reichen Stickereien durch das dabei be- 
findliche gestickte Geschlechtswappen den Namen eines edeln Ge- 
schenkgebers, eines Bischofes, eines Canonikers der Nachwelt über- 
bracht haben. 
Heute noch, nachdem Unverstand und Habgier sich so oft 
die Hand gereicht haben , un1 das zu vernichten, was die Pietät 
 
l) Wir werden in den folgenden Abbildungen mehrere dieser ausgezeichnetem 
Ornate des XV. und XVI. Jahrhunderts getreu wiederzugeben suchen. Jene 
aber, die ein näheres Interesse dabei haben, durch den Augenschein sowohl 
die formelle Ausstattung als auch das Technische in diesen reichen Stoffen ken- 
neu zu lernen, ersehen aus den Katalogen der Ausstellung zu Crefeld von 1852 
und des Erzbisehöiliehen Museums zu Cöln, im Sommerhalbjahr 1855 und 1856, 
wo sich am Rheine noch die ausgezeichnetem Gewänder dieser Periode erhalten 
haben. Ausser diesen weisen wir noch hin auf die einschlagenden Gewänder 
dieses Zeitabschnittes in den Sacristeien der Hauptkirchen zu Tongern, Aachen, 
Xanten, I-Ialberstadt, Danzig, Brandenburg, Prag etc. etc.
        

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