Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2358
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So liest man im Verzeichnisse der Kirchenschätze zu Rheims: 
ein Altar-Behang aus Satin von Brügge. (Tresor des egl. de Reims, 
page 116.) Auch in den übrigen Schatzverzeichnissen der damali- 
gen Zeit trifft man allenthalben den Satin von Brügge. 
In einer Rechnung vom Jahre 1531 geschieht auch Erwäh- 
nung eines Mantels der Anna Boleyn, der aus „Satin de Brügge" 
angefertigt war. 1) 
Von diesem berühmten Brügger Satin gab es auch eine ge- 
wöhnlichere Sorte, deren Kette nur aus Seide bestand mit Einschlag 
eines andern Stoffes. Mit diesem Satin wurden in der Regel reiche 
Festtagsornate um diese Zeit als ndoublure" im Innern ausgefüttert. 
England zog es vor durch seinen ausgedehnten Handel den 
Bedarf an Seidenstoüen durch Eintausch sich zu erwerben; erst 
unter Jacob scheint zuerst die Seidenmanufactur in England festen 
Fuss gefasst und schon bald einen ziemlichen Aufschwung erlebt 
zu haben. So sehen wir erst um das Jahr 1629, dass die Sei- 
denweber zu einer bedeutenden Innung sich vereinigt hatten un- 
ter ihren Sachverständigen und Syndiks. Auch in der Schweiz und 
namentlich in Zürich hatte die Seidenmanufactur schon frühzeitig 
sich Eingang zu verschaffen gewusst; indessen die Freiheitskriege 
der Schweiz führten bald deren gänzlichen Ruin herbei. 2) Como, 
dessen Lage und Clima sich für Maulbeerpflanzungen und Seiden- 
Manufacturen besonders eignete , zog darauf diesen lucrativen In- 
dustriezweig an sich, der in seiner Umgebung gar bald zur Blüthe 
gedieh. Erst nachdem die Stürme der Religionsneuerung in der 
Schweiz ausgetobt hatten, wandte man sich dort an mehrern Or- 
ten der Fabrication von leichten SeidenstoHen auf's Neue zu. 
Nachdem wir im Vorhergehenden in kurzen Umrissen den 
Gang angedeutet haben, den die Anfertigung von Seidengeweben 
gegen Ende des Mittelalters im westlichen Europa eingeschlagen 
hat, wollen wir im Folgenden die Ursachen näher in Betracht zie- 
hen , welche im XV. und XVI. Jahrhundert eine solche gestei- 
gerte Production zum grossen Theil mit herbeiführen halfen. 
Im XV. Jahrhundert war durch das Aufblühen der Städte 
und durch den grosscn Aufschwung, den Handel, Gewerbe und 
Künste genommen hatten , namentlich im westlichen Europa die 
 
autre chape en ügure de damas d'or et (Yargent   . doblöe de satin vert de 
Burges u. a. mehrern andern Orten vlnventaire des vases sacrös et ornem. 
de 1a cathedr. d'Auxerre en 1531." 
1) Vgl. The privy Purse Exp. of King Henry VIII, pag. 222. 
2) Josine Simleri Tigurini de Republica Helvetiorum, lib. I. (Helvet. Respubl. 
etc. Lugd. Bat, ex ofiic. Elzevixa, an. MDCXXVII, in 129, pag. 95.)
        

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