Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2335
vom Jahre 1480 geht es hervor, dass 10 Jahre vorher der König 
verschiedene Künstler aus Italien und Griechenland kommen liess, 1) 
sämmtlich WVeber und Anfertiger von seidenen Stoffen. 
Ludwig XI. bot alle Sorgfalt auf, dass das von ihm begrün- 
dete Institut der Seidenmanufaetur in Tours noch zu seinen Leb- 
zeiten einen erwünschten Fortgang hatte; sein Nachfolger aber, 
Carl VIII, erweiterte die von seinem Vater den Seidenwebern zu 
Tours zugestandenen Befugnisse noch um ein Bedeutendes durch 
eine Charte vom Jahre 1494. 
Indessen scheint die Fabrication in Seidengeweben in Tours 
nicht jenen Aufschwung und Umfang genommen zu haben, wie das 
nur wenige Jahre früher in Lyon etablirte Institut, obschon man 
in der Touraine selbst mit Erfolg angefangen hatte Maulbeerpflan- 
zungen anzulegen und die Seidenzueht zu betreiben. Was noch 
mehr dazu beitrug, die Manufacturen von Lyon vor allen übrigen 
ähnlichen Einrichtungen auf französischem Boden zu heben, war 
der Umstand, dass von Franz I. 1540 bis auf Ludwig XIII. 1615 
die französischen Könige Lyon das alleinige Recht der Niederlage 
aller aus dem Auslande (Italien oder dem Oriente) eingehenden 
Rohstoffe und Seidengewebe ausschliesslich einräumten. 
Gegen Mitte des XVI. Jahrhunderts finden wir , angelockt 
durch den reichen Gewinn, den die Fabrication von Seidenstoffen 
einbrachte, auch auf mehrern andern Punkten Frankreichs, in des- 
sen Süden die Zucht der Seidenwürmer und Maulbeerpflanzungen 
bedeutende Fortschritte gemacht hatte, nicht unbeträchtliche An- 
lagen von Seidenwebereien; so zu Montpellier, zu Orleans, zu 
Paris. Allein die Eifersucht der Lyoneser und Italiäner auf ihr 
lucratives Monopol einestheils und anderntheils die bürgerlichen 
Kriege trugen Schuld daran, dass namentlich zu Qrleans in der 
letzten Hälfte des XVLJahrhunderts in der Seidenmanufactur ein 
Stillstand, und später ein zurückgehen eintrat. i) 
Wie Lyon im XVI. Jahrhundert für Frankreich der Haupt- 
stapel- und Fabrikplatz für Seidenstoffe war, so hatte sich in Flan- 
dern das alte Brügge für Anfertigung von Seidenzeugen bereits 
im XV. Jahrhundert einen bedeutenden Namen zu verschaffen ge- 
wusst. Es waren auch hier wieder Italianer in Menge eingewan- 
dert, die mit grossem Fleisse und vieler Geschicklichkeit ihrer 
friedlichen Beschäftigung oblagen. In Lyon waren es , wie wir 
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1) Sur Porigine de l'industrie säricole en Touraine p. M. Champoiseau. Tours 
18-18, tom. 1er pag. 484-512. 
9) Archivcs curieuse; de l'histoire de France 1er Särie, tomJX, pag. 133, 134.
        

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