Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2321
cher Feste Gebrauch zu machen, beweist der Einzug Ludwigs XI. 
in Lyon im Jahre 1507. Es hatten nämlich, als der König in den 
Hafen der Rhone seinen Einzug hielt, daselbst auf einer Tribüne 
Platz genommen 6 Jungfrauen, allegorisch die Vorzüge und Tu- 
genden des Fürsten durch die Farbe ihrer seidenen Gewänder vor- 
stellend.- Die Eine trug ein Gewand von rothem Taffet, bezeich- 
nend die Stärke, die Andere eines von braunem TaHet, vorstellend 
den Fleiss etc. Auch die übrigen allegorischen Personen waren in die 
ihnen zukommenden farbigen Seidenstoffe gekleidet; so die Fröm- 
migkeit, die Gerechtigkeit etc. und versäumten es nicht, wie der 
alte Autor ausdrücklich hervorhebt, beim Herannahen der Majestät 
ihr Compliment zu machen und einen ihrer Rolle entsprechenden 
Spruch zu sprechen. 1) 
Auch bei dem Einzuge Franz des Ersten zu Lyon im Jahre 
1515 zeichnete sich bei dem feierlichen Aufzuge die ganze Bür- 
gerschaft durch die Kostbarkeit der Stoffe ihrer Prachtgewänder 
aus. So trugen bei dieser Gelegenheit die Rathsherren Leibröeke 
von Damast und von earmoisinrothem Satin. Dem Zuge voran 
schritten die Lucohesen in Costülns von schwarzem Damast, dann 
folgten die Florentiner, gekleidet in rothen Sammet, dann endlich 
die Bürger der Stadt in Gewändern von weissem Tuch, von Sammet 
und weissem Satin. 2) 
Bei einem spätem öffentlichen Aufzuge kömmt es vor, dass 
die Lucchesen und Florentiner mit den in Lyon ansässigen Ge- 
nuesern und Mailändern wegen des Vortrittes in Streit geriethen. 
Daraus geht hervor, dass bereits um die Mitte des XVI. Jahr- 
hunderts eine grosse Zahl von gewerbfleissigen Italiänern aus al- 
len grössern Städten Nord-Italiens sich kastenmässig in Lyon an- 
gesiedelt hatten. 
Auch grosse Kaufleute und Banquiers hatten sich in Lyon 
zahlreich niedergelassen, welche die Rohseide in Masse aus Italien 
und dem Oriente bezogen und den Lyoneser-Fabricaten nach 
Aussen hin Absatz verschafften. Unter den berühmten italiänisehen 
Namen, welche dem neubegründeten Gewerbfleiss durch bedeutende 
Unternehmungen in Lyon Geltung zu verschaffen wussten, finden 
wir um diese Zeit auch häufig genannt die Pazzi, Pitti, Salviati, 
Alamani, Capponi, Pestalozzi, Scarron etc. etc.  
Mit der Seidenmanufactur zu Lyon wetteiferte als Rivalin die 
Fabrication in der Touraine. Aus den Freibriefen Ludwigs XI. 
1) Rßlßtions des entrees solennelles dans 1a ville de Lyon etc. Lyon MDCCLII 
in 40, page 6.  
1) Ibidem page 8.
        

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