Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2274
ligste Jungfrau deutend, so wie die unter den Hallen befindlichen 
Abbildungen von Tauben, das Symbol der Unschuld und Rein- 
heit, wollcn diesem Stoffe eine Stelle in der christlichen Weberei 
Italiens zuweisen. 
Absichtlich haben wir im Vorhergehenden die Productionen 
der maurischen und italienischen Weberei des XIII, XIV. und 
XV. Jahrhunderts ausführlicher besprochen, sowohl aus dem Grunde, 
weil, wie zu zeigen versucht wurde, die Weberei besonders zu li- 
turgischen Zwecken in Italien einen besondern mehr ausgeprägten 
Charakter annahm, als auch aus der Ursache, weil die maurisehen 
Gewebe dieser Periode uns die Seidenmanufactur auf der Höhe 
ihrer ästhetischen und technischen Vollendung zeigen. 
Aber auch noch aus einem praktischen Grunde glaubten wir 
jene interessante Periode der oceidentalischen Weberei vom XIII. 
bis XV. Jahrhundert durch zahlreichcre Belege und Abbildungen 
erörtern zu müssen. Es sind nämlich aus nahelicgcnden Gründen 
die liturgischen Gewebe, die uns der früher oft citirte Anastasius 
Biblioth. beschreibt, vom VIII. bis zum XII. Jahrhundert sehr 
selten geworden. t) 
Aus dem XIIL-XV. Jahrhundert kommen jedoch noch an 
vielen Orten interessante Bruchstücke vor, die für die sinnreichc Com- 
position der Zeichnungen und für die hohe technische Vollendung 
der Weberei im Mittelalter Zeugniss ablegen. 
Allein Unkenntniss und eine vornehmthuende Gleichgültigkeit 
für "alte Fetzen und Lappenß sind auch noch heute Ursache, dass 
man rücksichtslos über unscheinbar gewordene Ueberbleibsel einer 
untergegangenen Kunstindustrie den Stab bricht , die für die In- 
dustrie und Wissenschaft oft von dem höchsten Interesse sind. 
Damit nun jenen interessanten Bruchstücken der mittelalterli- 
chen Seidenmanufactur eine grössere Schonung im Gebrauch und 
dieselbe Aufmerksamkeit beim Aufbewahren gezollt werde, die man 
heutzutage allgemein den Kunstgegenständen der Malerei, der 
Sculptur, der Glasbrennerei und den übrigen Verwandten Kunst- 
 
1) Im Ganzen mögen uns aus dieser fernliegenden Zeit nach fünfjährigen allseitig an- 
gestellten Nachsuchungen einige 250-300 Origiualstofle zu Gesicht gekommen 
sein. Davon kömmt auf Frankreich (Arles, Avignon, Le Puy, Paris, Chinon, Tou- 
louse, Metz) etwa der sechste Theil. In Italien besitzt nur Palermo und na- 
mentlich dic Kathedrale zu Anagni, so weit unsere Nachforschungen reichen, 
noch einige werthvolle Ueberreste. Mehr noch haben sich Gewebe aus die- 
ser Zeit im Domschatze zu Aachen, zu Chur in der Schweiz , in den 
Schatzkammern zu Wien und Bamberg, namentlich aber im Dome zu Halber- 
stadt, Danzig, Stralsund, Prag, erhalten; unsere Privatsammlung hat aus der 
gedachten Periode noch etwa 52 Originale aufzuweisen.
        

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