Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2261
nungen an, Womit der Fussboden der maurisehen Moscheen und 
Paläste bedeckt warf) nicht nur die manchfaltigen Dessins dieser 
nlosaikartigen Belegsteinehen, sondern auch die Qrnamentmalereien 
der bekannten Alhambra etc. bieten frappante Analogien mit den 
eben angeführten Zeichnungen. 
Noch enthält unsere Sammlung eine Partie leichter Satinge- 
webe mit originellen Zeichnungen in einem ausgeprägten mauri- 
sehen Charakter. Wir fanden diese einfachen Gewebe, von dersel- 
ben Qualität wie die heutigen leichten Schweizer Taffete als Fut- 
terzeuge bei reichern kirchlichen Festtagsornaten angewandt. 
Bei allen diesen leichtern Satinstoffen ist die Grundfarbe entwe- 
der dunkelblau oder roth. Die Zeichnungen werden immer durch ein 
gröbcres Gespinnst von gelber Seide hervorgerufen. Polygone 
oder rundliche Einfassungen umgeben in der Regel ein mittleres 
viereekiges Compartiment; auch findet man bei dieser Art. von Zeu- 
gen andere Dessins, die sich zickzackförmig in Streifen fortsetzen. 
Noch ein Gewebe soll hier eine kurze Beschreibung finden, das 
sowohl in Hinsieht des dazu verwandten Materials , so wie auch 
in Bezug auf seine eigenthümliche Zeichnung einige Aufmerksam- 
keit verdient. Der Fond dieses seltenen Stoffes besteht aus einem 
starken Gewebe von dunkelblauen Leinfäden; die Zeichnung wird 
gebildet durch einen groben Einschlag von schwcfelgelber Seide. 
Auch dieser Stoff scheint als Futterzeug bei reichen kirchlichen 
Gewändern benutzt worden zu sein. 
Die Zeichnung stellt in dem durchgehenden IIEHIPUDOÜV eine 
fortlaufende Säiulenhalle dar, die im überhöhten Spitzbogen (sogen. 
Eselsrücken) sich fortsetzt. Die Frontons sind auf der Spitze mit 
einem kräftig stylisirten Traubenblatte verziert. 
Die Art des Gewebes und die als Ornament angewandten ar- 
chitektonischen Formen scheinen darauf hindeuten zu wollen, dass 
der Stoff im maurischen Spanien im Beginne des XV. Jahrhun- 
derts sein Entstehen fand. Jedoch die „Heur de lis" und der An- 
fangsbuchstabe M, beide als bekannte Ornamente, auf die allerse- 
1) Der gedachte fleissige Sammler beabsichtigt in einem besondern Werke die in- 
teressanten Resultate seiner Forschungen in Spanien, in Bezug auf diese „dal- 
les" mit einer Menge von Abbildungen zu veröffentlichen; ein gewiss schätz- 
bares Unternehmen für diejenigen, die sich fragen, wie der Fussboden in roma- 
nischen Kirchen ornamental zu halten ist, damit diese Belegsteine mit dem 
reichen Farbenschmuckc der farbigen Fenster und bemalten Wände harmo- 
nisch zusammen passen. Dass der monotone schwarz-weise parkettirte Marmor. 
boden im Hoehehore des Cülner Domes höchst unglücklich gewählt wurde, 
18b heute Vielen einleuchtend geworden und ist es daher sehr zu wünschen, 
dass das SPäIere Beleg in dem vollendeten Dome mit dem Farbenschmuck 
der FßIIStCI und dem Style des grossaitigen Bauwerkes in Einklang gebracht werde.
        

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