Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2251
der maurischen Seidenindustrie 
erkannt werden. 
des 
XIV. 
und 
Jlahrhundcrts 
S0 liefert die Tafel XV eine getreue Copie eines sehr merk- 
würdigen Gewebes, das wir in einem ziemlichen Umfange bei ei- 
nem "marchand de Curiositös" in Florenz anzukaufen Gelegen- 
heit hatten.  
Derselbe gab an, er habe diese schwere und in ihren kräfti- 
gen Farbtönen äusserst gut erhaltene Weberei als Draperie hin- 
ter einer grössern in Holz geschnitzten Statue, einer bemalten lNIa- 
donna, im südlichen Italien vorgefunden. Das kunst- und sinnreich 
sich in einander verschlingende Bandwerk, abwechselnd musehnän- 
nisehe Embleme, Mond und Sterne einfassend, präsentirt sich auch 
dem weniger geübten Auge als unzweifelhaftes Product saraceimi- 
sehen Kunstfleisses. 
Aehnliehe Bandverzierungen fanden wir eiselirt und gravirt auf 
Erzeugnisse der arabischen Goldschmiedekunst im Museum Burboni- 
cum zu Neapel, herrührend aus den Tagen der Herrschaft der Saraeenen 
in Sicilien. Trotzdem der Charakter der Zeichnung für das XIV. 
Jahrhundert als Entstehungszeit des vorliegenden Gewebes zeugt, 
sind die Farben doch noch von einer besondern Frische und Glut; 
der Fond des Stoffes zeigt ein dunkelrothes satinirtes Gewebe; 
sämmtliche breitere Bandversehlingungen sind goldgelb gehalten; 
ausserdem führen ein gleiehmässig in den kleinen Ornamenten 
vertheiltes WVeiss, Grün, Hell- und Dunkelblau eine dem Auge 
wohlthuende Farbenstimmting herbei, wodurch die kräftigen Grund- 
töne des Gewebes bedeutend gemildert werden. Die aussergewrvöhn- 
liehe Schwere des interessanten Gewebes, so wie die originelle An- 
lage der Zeichnung bürgen dafür, dass der vorliegende Stoff, als 
Zimmerbehang (tentures), als Mübelstoff und etwa in Kirchen als 
Wandbekleidung (pallia, dorsalia) des Chores benutzt wurde.  
Nach dem Urtheile des in der Kunst-Literatur rühmliehst be- 
kannten Abbe Arthur Martin S. J., gehören die Copieen von äl- 
tern Orginalwebereien auf Tafel VIII, Xund XV jener interessan- 
ten Periode der maurischen Industrie an, wo Sie 110011 die C011- 
eurrenz mit der aufblühenden italiänischen Seidenmanufactur glück- 
lich bestand- Der ebengenannte gelehrte Jesuit bereiste nämlich 
vor einigen Jahren das südliche (früher maurische) Spanien, um 
die Kunst des Islams in Cordova, Sevilla, kennen zu lernen; zu 
gleicher Zeit legte er in seinem an interessanten Copien sehr reich- 
haltigen Skizzenbuche eine vollständige Mustersammlung jener klei- 
nen Belegsteine (dalles) von Thon mit eingebrannten glasirten Zeich-
        

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