Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2246
sehen aufgefasst, der Adler hingegen als Träger des Höhern, Gei- 
stigen ; so könnte man dieser immer wieder in allen Modifieationen 
zurückkehrenden Darstellung die Idee zu Grunde legen: Materie 
und Geist befinden sich im fortwährenden Kampfe; das Fleisch, 
die ungeordnete Sinnlichkeit im Menschen lehnt sich fortwährend 
auf gegen die höheren Gesetze der Vernunft. 
Bevor wir, dem Entwickelungsgange der Seidenindustrie fol- 
gend, Nachfrage halten, welche andere Völker des Occidentes im 
XIV. und XV. Jahrhundert sieh noch mit den Italiänern an der 
einträgliehen F abrication der Seidenzeuge betheiligten, wollen wir 
zuvor noch einen kurzen Rückblick halten über die industrielle 
Thätigkeit der Mauren in der angeregten Periode im südlichen 
Spanien. 
Ein thatiges, gewinnsüchtiges Volk, welches einen ergiebigen 
Industriezweig Jahrhunderte lang mit Vortheil betrieben hat, wird 
nur durch politische Unfälle und durch andere ungünstige Ver- 
hältnisse langsam dahin gebracht, dass es dem eifersüchtigen Nach- 
bar und Nebenbuhler die Vortheile eines blühenden Gewerbileisses 
nothgedrungen überlässt. 
S0 gelang es nur nach und nach der Speeulation und der 
Rührigkeit der lombardischen Städte, die sich im Besitze der Sei- 
denmanufaoturen theilten, die frühern Monopolisten, ihre Lehrmei- 
ster, allmälig vom Markte zu verdrängen. 
Die maurische Herrschaft in Spanien hatte im XII. u. XIII. 
Jahrhunderte ihre schönste Blüthe gesehen , und die Uneinigkeit 
der einzelnen Kalifen und die wachsende Macht der kriegslustigen 
christlichen Naohbaron trug vieles dazu bei, dass bei einem in ste- 
ten Kämpfen befindlichen Volke ein Industriezweig herunterkam, 
der nur bei den Segnungen des Friedens gedeihen konnte. 
Dennoch erhielt sich die Seidenmanufactur, wenn auch nicht 
so umfangreich wie früher, vorzüglich im Königreiche Granada 
bis zur völligen Vertreibung der Saraeenen aus Spanien durch 
Ferdinand den Katholischen. 
Dass namentlich die Concurrenz dcr maurischen Manufacturi- 
sten mit der italiänischen Seidenindustrie noch im XIV. Jahrhun- 
dert eine nicht ganz unerhebliche gewesen sein muss, ist uns, bei 
dem Mangel an geschichtlichen Notizen, aus dem Umstande ein- 
leuchtend geworden , dass wir sowohl im nördlichen Deutschland 
wie auch hin und wieder noch in den Ghettds Italiens Bruch- 
stücke von ältern Seidengeweben vorfanden, die ihrer eigenthilm- 
lichen charakteristischen Zeichnungen wegen sofort als Producte
        

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