Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200419
Maler. 
Die 
sonderen Tiefe der geistigen Auffassung zu begründen. Fassen wir jedoch die 
Nachrichten über Timanthes in ihrer Gesammtheit ins Auge, so werden wir. 
nicht umhin können, das Urtheil des Plinius als vollgültig anzuerkennen. Schon 
in der Wahl eines Gegenstandes, wie die hinterlistige Ermordung des Pala- 
niedes, spricht sich die Neigung aus, die Bedeutung der Handlung; in den ihr 
zu Grunde liegenden geistigen Motiven zu suchen. Wenn nun ferner Timanthes 
den Parrhasios, einen Meister in der Auffassung psychologischen Ausdruckes, 
in dem Urtheile über die Waffen des Achill besiegt hat, so dürfen wir wohl 
behaupten, dass ihm dies eben durch sein "ingenium" gelungen sei, nemlich 
124 durch eine Anordnung, welche über das Sichtbare der Wirklichen Darstellung 
hinaus die aus derselben sich entwickelnde tragische Katastrophe als unvermeid- 
lich voraus ahnen liess. In dem Gemälde der Iphigenie endlich erscheint jene 
Verhüllung keineswegs als ein blosser Kunstgriff, sondern vorbereitet durch die 
in den Nebenpersonen ausgesprochene Stufenfolge steigender Affecte ist sie als 
höchster Ausdruck des Schmerzes fast mit Nothwendigkeit geboten. Es ist 
demnach durchaus treffend, dass Eustathius uns zum Vergleich auf die Niobe 
und ähnliche Gestalten des Aeschylus hinweist. Wenn wir aber nicht umhin 
konnten, uns bei Gelegenheit des Zeuxis und Parrhasios zuweilen an Euripides 
zu erinnern, so muss jener Vergleich dem Timanthes um so mehr zur Ehre 
gereichen. Denn es liegt darin ausgesprochen, dass Timanthes, während er 
auf der einen Seite hinter den Forderungen seiner Zeit keineswegs zurückblieb, 
auf der andern zugleich einen Theil der Vorzüge der früheren Zeit, die Tiefe 
und Bedeutsamkeit der geistigen Auffassung noch zu bewahren Wusste, während 
bei seinen Nebenbuhlern bereits das Streben nach Illusion und einer mehr 
äussern Charakteristik sich Bahn zu brechen begonnen hatte. 
Die 
übrigen 
Maler 
dieser 
Periode. 
Von Schülern der eben behandelten Meister haben wir keine Kunde. Denn 
Mikkion, den Lucian (Zeuxis 7) einmal als Schüler des Zeuxis nennt, wird so- 
beiläufig und in einer solchen Weise angeführt, dass der Name sehr wohl von 
Lucian bloss zum Zwecke seiner Erzählung erfunden sein kann. Aber auch sonst 
kennen wir nur wenige Maler aus dieser Zeit. Wir nennen unter diesen zuerst: 
Androkydes. 
Unter den Zeitgenossen und Nebenbuhlern des Zeuxis, Timanthes, Parrhasios, 
Eupompos, führt Plinius (35, 64) auch Androkydes an, der andern Nachrichten 
zufolge aus Kyzikos stammte. Er malte nach Plutarch (Pelop. 25) zur Zeit der 
Wiedereinnahme der Kadmea durch die Thebaner (Ol. 100, 2) ein bei ihm von 
der Stadt bestelltes Schlachtbild, in Welchem Pelopidas und Epaminondas zu 
den Hauptfiguren gehörten: vielleicht den Kampf gegen die Arkader, in welchem 
Epaminondas den schwer verwundeten Pelopidas mit Gefahr des eigenen Lebens 
125 vertheidigte (Plut. Pelop. 4: Ol. 98, 4). Um nun den Ruhm dieser Beiden zu 
verkleinern, schlug nach jener politischen Umwälzung ein gewisser Menekleides 
vor, dem Bilde durch die Aufschrift des Namens des Charon eine Beziehung 
auf eine andere Schlacht zu geben, nemlich auf das Reitertreffen, welches die 
Thebaner unter Führung dieses letztern vor der Schlacht von Leuktra gewannen.
        

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