Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200369
Die 
Maler 
Zeit 
Krieges. 
peloponnesischen 
des 
sich mit einer mehr allgemeinen oder generischen Auffassung begnügen. Gerade 
das Umgekehrte ist bei Parrhasios der Fall. Das Streben, den Ausdruck bis 
in seine feinsten und flüchtigsten Aeusserungen zu verfolgen, musste in der 
Charakteristik dem Individuellen eine viel weiter greifende Berücksichtigung 
sichern, als es dieselbe nicht nur bei Zeuxis, sondern überhaupt bisher gefun- 
den hatte. In Folge davon konnte aber die durch äussere Umstände geschaffene 
Situation nicht mehr einen überwiegenden Einfluss auf die handelnde Persön- 
lichkeit ausüben, sondern die Handlung musste durch die Individualität der 
Letzteren bedingt und selbst als durchaus individuell erscheinen. 
Trotz dieses Gegensatzes müssen wir aber zugestehen, dass im Verhältniss 
zu Polygnot und seiner Kunstrichtung Parrhasios und Zeuxis in ihren Bestre- 
laungen manches Gemeinsame haben. Die hervorragende Stellung, welche wir 
dem Polygnot anzuweisen nicht umhin konnten, beruhte auf der Anerkennung 
des durchaus idealen Grundzuges, welcher seiner Kunst eigenthümlich ist. Diese 
ldealität war aber von der besondern Kunstgattung fast gänzlich unabhängig; 
ja man könnte behaupten, dass jenes reine und directe Idealisiren jedes ein- 
zelnen Charakters noch mehr der Plastik zukomme, als der Malerei, welche eine 
gewissermassen indirecte Idealität durch das Zusammenwirken einer Mannig- 
faltigkeit von Dingen und Personen zu erstreben habe. Auf keinen Fall wird 
es Widerspruch erregen, wenn wir Polygnot gross und gewaltig nicht sowohl 
speciell als Maler, sondern als Künstler überhaupt nennen, indem bei ihm die 
relativ noch wenig ausgebildeten Mittel der Darstellung gegen die Bedeutung 
des poetisch-ktinstlerischen Schaffens durchaus zurücktreten. Gerade das aber 
ist der Punkt, durch welchen Zeuxis und Parrhasios in einen entschiedenen 
Gegensatz zu Polygnot treten. Sie sind vor Allem Maler, und ihr Ruhm beruht 
zunächst auf dem, was sie verrnöge der Mittel dieser besondern Kunst geleistet 117 
haben, wenn auch nach sehr verschiedenen Seiten hin. Es liegt im Wesen der 
Malerei, dass sie nicht die Dinge selbst als Körper, sondern nur den Schein der 
Dinge zur Darstellung zu bringen vermag. Dieser Schein aber wird für den 
äusseren Sinn durch die Wirkung: von Licht und Schatten hervorgebracht, in- 
dem dadurch eines Theils die Farbe, andern Theils die Beschaffenheit der Form 
wahrnehmbar wird. Auf je eine dieser beiden Seiten richteten die Nachfolger 
des Polygnot ihre vorwiegende Aufmerksamkeit, und im Hinblick hierauf können 
wir sagen, dass durch sie die eigentliche Malerei überhaupt erst ihre selb- 
ständige Ausbildung erhalten habe. Wenn hiernach die äussere Erscheinung 
der Dinge den Ausgangspunkt ihrer Thatigkeit bildete, so war doch die Dar- 
stellung derselben nicht für sich selbst und allein Zweck, Wohl aber bedingte 
sie die gesammte Auffassung auch in Hinsicht auf den geistigen Theil der zu 
lösenden Aufgaben. So wählt Zeuxis, da die Farbe nach Gesammtwirkung 
streben muss, mit Vorliebe solche Stoffe zur Darstellung, Welchg schon durch 
eine passende Zusammenstellung oder durch geschickte Wahl des Moments oder 
der Situationen, also durch die Anlage des Werkes in seiner Gesammtheit, das 
Interesse des Beschauers zu fesseln vermögen. Wie dagegen die vollendete Dar- 
stellung der Form ein Eingehen in die feinsten Gliederungen und Einzelnheiten 
verlangt, die höchsten, in den flüchtigsten Mienen und Bewegungen sich aus- 
sprechenden Feinheiten aber im Grunde noch mehr geistige als formelle Be-
        

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