Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200329
Maler 
Zeit 
monnesischen 
Krieges. 
theils eben durch die dauernden und stets wiederkehrenden Einwirkungen jener 
Eigenschaft auch in der ganzen Haltung und selbst in den weicheren, fleischigen 
Theilen in bestimmterer Weise sich ausprägen. Die vorübergehenden Stimmungen 
oder Erregungen des Gemüthes und Gefühls werden sich uns dagegen in eben 
So vorübergehenden Bewegungen des Körpers oder Zügen des Antlitzes offen- 
baren. Kehren wir jetzt wieder zum Demos zurück, so wollen wir die von 
den Neuern versuchten Reproductionen dieses Werkes keiner weiteren Prüfung 
unterwerfen 1). Denn da uns alle Haltpunkte hinsichtlich der äusseren Dar- 
stellung fehlen, so könnte wohl ein bedeutender Künstler die gestellte Aufgabe 
von neuem selbständig und vortrefflich lösen; aber trotzdem würde uns dafür, 
dass seine Lösung mit der des Parrhasios übereinstimme, jedwede Gewähr 
fehlen. Dagegen dürfen wir nach dem Vorhergehenden behaupten, dass die 
Aufgabe an sich die eingehendste Berücksichtigung jener wandelbaren und ver- 
änderlichen Formen mit Nothwendigkeit voraussetzt; und da die verschiedenen 
Charakterzüge doch nur in der Bildung der Augen, des Mundes, in der Be- 
wegung der Hände u. s. w. zur Darstellung gebracht werden konnten, so er- 
kennen wir nunmehr, wie alle jene Feinheiten der Form bei Parrhasios ihre 
Bedeutung erst dadurch erlangten, dass sie die Träger eines nicht minder ver- 
feinerten Ausdruckes wurden. 
Nehmen wir diesen Satz zunächst als bewiesen an,  und für seine 
Richtigkeit werden sich später noch mannigfache Thatsachen anführen lassen,  
so bleibt uns doch die noch wichtigere Frage zu beantworten, in welcher Weise 
durch diese Richtung die gesammte Auffassung künstlerischer Aufgaben bei 
Parrhasios bedingt wurde. Denn wenn wir fanden, dass Polygnot trotz, ja in 
gewissem Sinne in Folge der grössten Einfachheit und Beschränkung in den 
Mitteln der Darstellung zur grössten Tiefe der geistigen Auffassung und des 
Ausdruckes gelangte, so werden wir bei Parrhasios wegen der Verschiedenheit 
des Weges auch eine eben so grosse Verschiedenheit der Endzwecke und Er- 
folge vorauszusetzen geneigt sein. Wir knüpfen unsere Erörterung wieder an das 
einmal gewählte Beispiel, den Demos, an und fragen einfach, ob wir diese Dar- 
stellung in der von Plinius geschilderten Durchführung als eine Idealbildung 
bezeichnen dürfen. Die Antwort muss Verneinend ausfallen: in dem Urtheile des 
Plinius spricht sich keineswegs Bewunderung über die Tiefe und geistige Be- 
deutung der Auffassung aus; man ist zunächst nur erfreut über das „argumen- 
tum ingeniosum", das Sinnreiche in der Wahl einer Aufgabe, deren Lösung 
durch eine kunstreiche Verschmelzung der schwierigen Gontraste überraschen 
muss. Diese Widersprüche in dem Wesen eines Volkes, wenn wir dasselbe 
als ein Individuum fassen wollen, sind aber nicht eigentlich in dessen geistigen 
Befähigungen und Anlagen begründet, sondern vielmehr die Folge der Er- 
regungen und Wandlungen des Gemüthes und Gefühls, welche oft das ursprüng- 
liche Ethos, wenn nicht gänzlich zu unterdrücken, doch zeitweise zu verdunkeln 
vermögen. Schon hieraus folgt nun, dass ihre Darstellung nicht in dem Sinne 
eine ethische sein kann, wie wir sie bei Polygnot kennen gelernt haben. Denn 
indem der Künstler gerade auf die vorübergehenden, durch äussere Umstände 
vgl. 
über 
dieselben 
unter 
Realencyclopädie 
Paulfs 
Parrhasios.
        

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