Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200287
Die 
Maler 
Zllf 
Zeit 
des 
peloponnesischen 
Krieges. 
ibm hier sein sonstiger Nebenbenbuhler Zeuxis den Ruhm streitig machte, wenn 
wir auch zugeben wollen, dass dieser nur um anderer künstlerischer Zwecke 
willen die Vollkommenheit der Proportionen zurücktreten liess. 
Von diesem Vorzuge des Parrhasios abgesehen, der sich mehr auf die 
Anlage, als auf die Durchführung seiner Gestalten bezieht, lassen sich alle 
übrigen Lobsprüche des Plinius unter einem einzigen Gesichtspunkte zusammen- 
fassen, welchen Quintilian 1) durch die Worte: examinasse subtilius lineas tra- 
ditur, kurz. aber schlagend angiebt. Hier ist also als das Hauptverdienst, auf 
Welches alle übrigen Vorzüge, wie auf einen gemeinsamen Quell zurückzuführen 
sind, die Zeichnung hingestellt, und zwar, da der Ausdruck subtilius nicht 
ohne eine bestimmte Absicht gewählt sein wird, eine wesentlich verfeinerte 
Zeichnung. Nur werden wir diesen Ausdruck nicht nach dem engsten Sinne 
des Wortes, sondern nach seiner weiteren Bedeutung auslegen müssen, wonach 
wir unter Zeichnung die Mittel zur Darstellung der Form im Gegensatz zur 
Farbe begreifen. Gehen wir indessen von dem engsten Sinne aus, so stellt 
sich uns als die erste Bedingung einer guten Zeichnung die Richtigkeit der 
Umrisse dar: und gerade in dieser Beziehung finden wir das Verdienst des 
Parrhasios mit besonderem Nachdrucke hervorgehoben: in liniis extremis, in 
den Gontouren hatte er nach dem Urtheile nicht der Laien, sondern der Künstler 
den Preis davongetragen. Die grösste Bedeutung gewinnt aber wiederum der 
Contour an den Extremititten, wo weniger eine einzelne grössere Masse ihrer 
Form nach begrenzt, als die Verknüpfung zahlreicher Formen iu sehr compli- 
cirten und wandelbaren Lagen zur Anschauung gebracht werden soll. Gerade 
an diesen Theilen muss es sich zeigen, dass in der Malerei der Gontour allein 
nicht genügen kann, um von der Natur aller dieser Formen hinlänglich Rechen- 
schaft zu geben. Wir verlangen ausserdem noch die Rundung jedes einzelnen 
Theiles zu erkennen, und diese darzustellen ist nur möglich durch die Be-l 
Obachtung von Licht und Schatten. Wenn wir nun behaupten, dass hierauf 
auch die an den Werken des Parrhasios gerühmten Vorzüge in der Bildung 
der Extremitäten beruhen, so kann es freilich scheinen, als geriethen wir da- 
durch in Widerspruch mit den Zeugnissen des Alterthums, namentlich des 
Quintilian 2), welcher dem Zeuxiss im Gegensatze zu Parrhasios das Verdienst 
beilegt, das Verhältniss der Lichter und Schatten zuerst richtig erkannt zu 
haben. Allein auch für diesen Widerspruch giebt es eine Lösung: denn ich 
glaube schon früher nachgewiesen zu haben, dass jenes Verdienst des Zeuxis 
besonders in der Färbung zu suchen sei, d. h. in der richtigen Bestimmung 
der Wirkungen, welche Licht und Schatten auf die Farbe ausüben. Was Parr- 
hasios erstrebte, ist dagegen von dieser durchaus unabhängig. Er richtete sein 
Augenmerk auf die Bedeutung von Licht und Schatten, insofern aus ihnen die 
Beschaffenheit der Formen erkannt werden soll, oder, um es mit einem neueren 
Kunstausdrucke zu bezeichnen: er wurde durch die Sorgfalt der Zeichnung, 
welche jede Form klar und bestimmt wiederzugeben strebt, auf Beobachtung 
des Helldunkels wenigstens in den Extremitäten geführt. Denn was man nach 
Plinius von ihrer Darstellung verlangen kann, dass die Umrisse nicht abge-
        

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