Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200235
Blaler. 
Wie aber selbst die Vögel, welche getäuscht zu haben sich Zeuxis einst 
rühmte, ihn seinen Stolz entgelten liessen, indem sie wohl seine Trauben, nicht 
aber den Knaben achteten, welcher sie trug; so sollte er selbst es noch mit 
eigenem Munde bekennen, dass er von einem Nebenbuhler übertroiien sei. Die 
Erzählung von dem gemalten Vorhange des Parrhasios, durch Welchen sich 
Zeuxis täuschen liess, mag scheinbar wegen ihres anekdotenähnlichen Charakters 
einen geringen Werth haben: im Grunde, werden wir finden, beruhte die Mög- 
lichkeit der Täuschung doch auf wahrhaft künstlerischen Eigenschaften, in welchen 
Parrhasios dem Zeuxis wirklich überlegen war. 
Da wir von Schülern des Zeuxis nichts wissen, ausser dass einmal Lucian 1) 
Mikkion als einen solchen, aber in einer Weise erwähnt, wonach sogar der 
Name nicht einmal historisch überliefert, sondern für die Erzählung beliebig 
erfunden sein könnte, so wenden wir uns sofort zu jenem glücklicheren Neben- 
buhler, um an ihm eine andere Seite der Entwickelung der Malerei jener Zeit 
kennen zu lernen.  
97 
Parrhasios. 
Parrhasios, Sohn und Schüler des Euenor 2), war aus Ephesos gebürtig 3). 
Wahrscheinlich erlangte er später das athenische Bürgerrecht, da Seneca 4) und 
Acron 5) ihn schlechthin Athener nennen; und es ist wohl möglich, was man 
unter Hinweisung auf eine Stelle im Plutarch G) vermuthet hat, dass ihm diese 
Ehre in Folge des für Athen gemalten Theseus zu Theil geworden sei. Die 
Bestimmung seiner Zeit ergiebt sich zuerst im Allgemeinen durch sein Zu- 
sammentreffen mit Zeuxis. Dazu kommt das Zeugniss des Quintilian 7), dass 
Zeuxis und Parrhasios um die Zeiten des peloponnesischen Krieges gelebt, wo- 
für als Beleg das Gespräch des Letzteren mit Sokrates bei Xenophon S) an- 
geführt wird. Dass Plinius den Euenor in die 9Oste Olympiade setzt, kommt 
hiergegen nicht in Betracht, da diese Bestimmung offenbar erst aus der seines 
Sohnes abgeleitet ist. Wiedenholen wir dagegen die Bemerkung, dass Isokrates 
in der Ol. 96, 2 verfassten Rede nagt ävnööasmgtl) des Parrhasios eben so wie 
des Zeuxis in einer Weise gedenkt, wie er es nur bei Todten zu thun pflegt, 
so müssen wir vielmehr die Möglichkeit zugeben, dass der Beginn seiner Kunst- 
 thätigkeit lange vor Ol. 90 falle. Hiernach lösst sich vielleicht die Schwierig- 
98 keit, welche eine Stelle des Pausanias 10) bisher den Erklärern verursacht hat. 
Dort heisst es: die Gisellirungen an dem Schilde der kolossalen ehernen Pallas 
des Phidias habe Mys nach den Zeichnungen des Parrhasios ausgeführt. Ich 
selbst glaubte früher 11) daraus schliessen zu müssen, dass diese Arbeiten erst 
ein Menschenalter nach Phidias der Statue angefügt seien. Im Hinblick auf die 
obige Bestimmung ist jedoch vielleicht die Annahme erlaubt, dass der grosse 
Bildhauer selbst, durch seine vielseitige Thatigkeit für die perikleischen Bauten 
zu sehr in Anspruch genommen, die Zeichnung für jenes Beiwerk dem Parr- 
hasios, sei es auch noch in ganz jugendlichem Alter, aufgetragen habe, indem 
z) Paus. I, 28, 
60. 3) Athen. 
zu Horat. IV, 
128. 
2; Juba ap. Harpoclz, Suid.  v. Haggdaaog; 
Harpocr. Suid. 1.1. Strabo XIV, p. G42; Plin. 
6. G) TheS. 4. 7) XII, 10. 8) mem. HI, 10.
        

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