Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200165
Maler 
Die 
Zeit 
mnesischen 
Krieges. 
die Späteren Ethos selbst da zu finden glauben konnten, WO Aristoteles dessen 
Vorhandensein leugnet. Und wie schon hierdurch die Auctorität jenes Urtheils 
bei Plinius wesentlich bedingt erscheint, so glaube ich noch einen Schritt weiter 
zurückgehen und fragen zu müssen, 0b denn Zeuxis überhaupt durch jenen 
Ausspruch als Maler des Ethos hingestellt werden soll. Denn Plinius sagt ja 
nicht: er malte des Ethos der Penelope, sondern: er malte unter ihrem Bilde 
rnores, d. h. Strenge und Reinheit der Sitten. Der Ausdruck dieser Strenge 
und Reinheit, auf welchen gerade die tiefere geistige Eigenthümlichkeit, das 
Ethos der Penelope beruht, darf allerdings in einem Bilde derselben unmög- 
lich fehlen: dennoch aber lassen sich Darstellungen solcher Sittenreinheit denken, 
welche als Malerei des Ethos in dem Sinne, in WBlClJGIII es Aristoteles als in 
den Werken des Polygnot vorhanden bezeichnet. noch keineswegs gelten dürften. 
Vergegenwärtigen wir uns nur einmal das Bild der Penelope, wie sie in den 
bekannten statuarischen Werken in Nachdenken und Trauer versunken dasitzt 
und stellen diesem Bilde das Gemälde gegenüber, welches Philostrat 1) mehr 
beiläufig erwähnt. „Mit allem Nöthigen versehen, wie in der Wirlilißhkeit, er- 87 
scheint der Webstuhl; gehörig angespannt ist der Aufzug; Blumenmuster liegen 
unter den Fäden; und es fehlte nur, dass man das Rasseln der Weberlade 
hörte. Penelope selbst aber zerflie_sst unter Thranen, wie Homer den Schnee 
zerfliessen lässt, und löst wieder auf, was sie gewoben. Von diesen beiden 
Darstellungen würde offenbar die erste (so weit wir eine Statue mit ivlalereien 
zusammenstellen dürfen) der Auffassung des Polygnot entsprechen, während die 
zweite eine grosse innere Verwandtschaft mit den früher betrachteten Gemälden 
des Zeuxis verräth. Denn auch hier wieder ist der Künstler von der Charak- 
terisirung der äusseren Lage ausgegangen; und erst auf dieser Grundlage hat 
er es versucht, die Trauer und die Sehnsucht der treuen, züchtigen Gattin zum 
Ausdruck zu bringen. Dies mochte in den zartesten und feinsten Zügen voll 
tiefer Empfindung geschehen sein: jenes Ausgehen von einer, wenn auch noch 
so passenden, doch nicht mit zwingender Nothwendigkeit gebotenen äusseren 
Lage wird trotzdem einen fortwährenden Einfluss in so weit behauptet haben,  
dass Penelope in dem Gemälde nicht in erster Linie als eine streng historische 
Figur, als die Verkörperung ihres eigenen Ethos, sondern mehr als ein allge- 
meines Charakterbild von Zucht und Sitte hingestellt erschien. Fast wie ein 
Seitenstück hierzu finden wir unter den Werken des Zeuxis Menelaos, wie er 
weinend am Grabe des Agamemnon Todtenspenden ausgiesst, ein Bild der  
Rührung und brüderlichen Liebe. Es wird nicht unpassend sein, den von Ari- 
stoteles aufgestellten Vergleich zwischen der Malerei und der Tragödie noch- 
mals aufzunehmen, indem es hier für die Beurtheilung des Zeuxis kaum eine 
passendere Parallele giebt, als Euripides. Je mehr die Personen seiner "Tra- 
gödien anfangen, sich in philosophischen AlJStPaClliOUEII zu ergehen, welche 
häufig eine noch nähere Beziehung auf die Sitten und den Geist der Zeit des 
Dichters, als aut den dargestellten Mythus haben, um So mehr verlieren sie 
von ihrem eigenen individuellen Gepräge und Wßfden Vertreter gewisser phi- 
losophischer Richtungen und Lebensanschauungen. So liesse sich z. B. jenes
        

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