Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200158
Maler. 
das Unmögliche, dem man den Schein des Wahren gebe, dem ltiöglichen, aber 
Unwahrscheinlichen vorzuziehen sei, die Gemälde des Zeuxis anführt. Ver- 
suchen wir nur einmal, z. B. das Kentaurengemälde nach seiner geistigen Be- 
deutung zu charakterisiren. Wir vermögen ihm keine andere Bezeichnung bei- 
zulegen, als die einer anmuthigen Familienscene, welcher der Künstler einen 
erhöhten Reiz gerade erst dadurch beizulegen gewusst hat, dass er aiuf das 
halb-thierische Geschlecht der Kentauren rein menschliche Verhältnisse und Ge- 
fühle übertrug. In dem Bilde des Pan ist der streng mythologische, um nicht 
zu sagen religiöse Charakter gänzlich verwischt und die Auffassung- eine rein 
idyllische geworden. Eben so tritt uns bei dem schlangenwtirgenden Herakles 
als das vorwiegende künstlerische Motiv die Charakterisirung der augenblick- 
lichen Situation entgegen, das Staunen und der Schrecken des Vaters, der 
Mutter und ihrer Begleitung im Gegensatz zu der Unbefangenheit des Knaben. 
Selbst in dem Bilde der Bestrafung des Marsyas findet das allgemein mensch- 
liche Interesse an der Handlung namentlich in dem Chore der Satyrn einen 
sprechenden Ausdruck. 
Die Bedeutung von Bezeichnungen, wie Historien-, Charakter, Genre- 
malereien ist nicht hinlänglich durch den Gebrauch abgegrenzt, um eine der- 
selben auf die bisher betrachteten Werke des Zeuxis ohne Weiteres anzuwenden. 
Verstehen wir aber unter Historienmalerei im strengen Sinne diejenige, welche 
es mit historischen oder mythologischen Persönlichkeiten von einer nur ihnen 
allein und ausscliliesslich angehörigen und die Handlung bedingenden Indi- 
vidualität zu thun hat, so gehen wir gewiss nicht zu weit, wenn wir behaupten, 
dass dieser Gattung die Gemälde des Zeuxis nicht zugezählt werden dürfen. 
Damit ist indessen keineswegs gesagt, dass ihm der Sinn für feine Charakteri- 
sirung überhaupt gefehlt habe. Im Gegentheil würde ohne eine solche selbst 
die glückliche Wahl der Situationen den grössten Theil ihres Werthes verloren 
haben. Nur führte ihn die überwiegende Bedeutung; dieser Letzteren dahin, 
die Durchführung der einzelnen Charaktere diesen Situationen unterzuordnen, 
Wodurch jene einen Theil ihrer besondern Persönlichkeit einbüssen und sich 
S6 mit einer mehr allgemeinen, generischen Auffassung genügen lassen müssen. 
Unter diesem Gesichtspunkte werden wir nun unsere Aufmerksamkeit auf ein 
Urtheil lenken dürfen, Welches man häufig als in offenem Widerspruchs mit 
dem des Aristoteles stehend hat auffassen wollen. Plinius sagt nemlich, dass 
Zeuxis in dem Bilde der Penelope „mores pinxisse videtur". Man wollte daraus 
schliessen, dass Zeuxis wenigstens in diesem Bilde sich als Maler des Ethos 
bewährt haben müsse. "Nun hat zwar schon Jahnl) bemerkt, dass das Urtheil 
des Plinius einem griechischen Epigramme entnommen sein möge, in welchem 
es weniger auf ein streng gefasstes Kunsturtheil, als auf eine schlagende Pointe 
abgesehen war. Wir können ferner Jahn 2) auch in der Behauptung beistimmen; 
„dass Aristoteles und die Zeit, welcher er angehörte, über künstlerische Auf- 
fassung und Darstellung, namentlich über das sittliche Element derselben, sehr 
verschieden empfanden und urtheilten von derjenigen, aus welcher die Urtheile 
herstammen, welche uns Plinius überliefert, der alexandrinischen"; dass also 
Ber. 
sächs. 
G6 
S: 
1850, 
10-5
        

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