Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200148
Blalel" 
zur Zeit 
Krieges. 
peloponnesisch en 
Allein wir dürfen damit vielleicht eine Darstellungr des Gottes, welche Philostrat 1) 
beschreibt, gerade wegen ihrer scharf hervortretenden Eigenthümlichkeit in Ver- 
bindung setzen: Pan ist im Schlafe von den Nymphen überfallen worden; sie 
haben ihm die Hände auf den Rücken gebunden, den Bart abgeschoren und 
Suchen die Echo ihm abspenstig zu machen. Wo liesse sich für diese Auffas- 
sungsweise eine bessere Erklärung finden, als in der Charakteristik des Zeuxis 
bei Lucian? Gewissermassen das ernste Gegenstück zu diesem idyllischen Scherze 
bildet Marsyas, wenn wir uns denselben in der vom jüngeren Philostratg) be- 
schriebenen Weise vorstellen: besiegt steht er an der Fichte und blickt auf den 
Barbaren, der mordgierig das Messer zu seiner Bestrafung schleift; Apollo freut 
sich seines Sieges, und der Schwarm der Satyrn, sonst so keck und munter, steht 
jetzt umher traurig und schmerzlich bewegt. Endlich finden wir bei dem jüngeren 
Philostratä) noch ein Gemälde beschrieben, dessen Gegenstand mit einem von 
Plinius erwähnten Werke des Zeuxis im Wesentlichen übereinstimmt: Herakles 
der noch in den Windeln die Schlangen erdrückt. Nur gesellen sich in der a4 
ausführlicheren Beschreibung zu Alkmene noch ihre Dienerinnen, zu Amphi- 
tryon gewaflnete Thebaner, ferner Tiresias, welcher die zukünftige Grösse des 
Kindes weissagt, und endlich die Personification der Nacht mit einer Leuchte. 
Die umfassende Anwendung, welche ich hier von den Beschreibungen 
der Philostrate auf die Werke des Zeuxis zu machen suche, ist gewiss insofern 
gewagt, als sie der Begründung durch zwingende äussere Zeugnisse entbehrt. 
Um so mehr aber scheint sie ihre Gewähr in sich selbst zu tragen. Denn was 
sie uns lehrt, bildet auf die ungesuchteste Weise eine fortlaufende Erklärung 
zu dem oben angeführten Urtheile des Lucian über Zeuxis. So ausgerüstet 
aber wird es uns um so eher gelingen, den Gegensatz zwischen der älteren 
Malerei des Polygnot und der neueren des Zeuxis im Einzelnen fester zu be- 
stimmen. 
Vergegenwärtigen wir uns recht lebendig die eben besprochenen Werke 
des letzteren, so werden wir uns dem Eindrücke nicht entziehen können, dass 
in' ihrer ganzen Auffassung ein allen gemeinsamer Grundcharakter hervortritt, 
welcher, um es ganz kurz zu sagen, begründet ist in der Wahl der Situationen. 
Hieraus aber erklärt es sich, warum Aristoteles behauptet, dass, wie den Tra- 
gödien der Neueren im Verhältniss zu den Aelteren, so den Werken des Zeuxis 
gegenüber denen des Polygnot das Ethos abgehe. Denn bei Polygnot ist jede 
Gestalt als das Abbild ihrer ursprünglichsten und- innersten geistigen Eigen- 
thümlichkeit erfasst; alle Handlungen offenbaren sich vor Allem als das noth- 
wendige Resultat eben dieser Eigenthümlichkeit und der im Charakter der han- 
delnden Person begründeten sittlichen Motive. Bei Zeuxis dagegen erscheinen 
die besonderen, oft sehr ausserordentlichen und überraschenden Umstände, durch 
welche jene Situationen hervorgerufen werden, als das wesentlich Bestimmende 
r die Auffassung der Handlung. Diese verliert dadurch den Charakter der 
inneren, so zu sagen moralischen Nothwendigkeit, und vermagrnur auf die 
Bedeutung von etwas an sich Wahrscheinlichem Anspruch zu machen. Das ist 
es, worauf auch Aristoteles zielt, wenn erf) als Beleg dafül", däSS in der Kunst 35 
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