Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200117
Maler. 
ganz sichtbar, sondern nur bis zur Mitte des Rosskörpers, und hält das Junge 
eines Löwen empor, hoch über sich, um im Scherz die Kleinen fürchten zu 
79 machen. Was nun die Malerei sonst anlangt, so weit sie uns ldioten nicht in 
Allem klar sein mag und doch das ganze Können der Kunst offenbart: wie die 
schärfste Correctheit der Umrisse, die sorgfältige Mischung der Farben, ihren 
wohlberechneten Auftrag, die richtige Schattengehung, die Berechnung der 
Grösse, das richtige und harmonische Verhältniss der Theile zum Ganzen: das 
mag die Sippschaft der Maler loben, welche so etwas verstehen muss. Mir aber 
scheint am Zeuxis namentlich das zu loben, dass er an einem und demselben 
Gegenstande die Vorzüge der Kunst in den mannigfaltigsten Richtungen zu 
zeigen verstand: so bildete er den Mann von erschreckendem und ganz wildem 
Aussehen, mit mächtigem stolzen Haupthaar, fast ganz behaart nicht nur am 
Bosskörper, sondern auch an dem menschlichen Theile; mit hoch gehobenen 
Schultern und einem Blicke, der zwar lächelnd, aber doch wild ist, wie der 
eines Waldhewohners und ungezähmt. Dieser Auffassung; ganz entgegengesetzt 
zeigt er uns in der Kentaurin, so weit sie Boss war, die schönste Bildung, wie 
sie sich namentlich bei den thessalischen noch ungehändigten und unherittenen 
Bossen findet; ebenso ist die obere Hälfte, das eigentliche Weib, durchaus 
schön bis auf die Ohren: diese allein sind satyrhaft gebildet. Die Vermischung; 
und Verknüpfung der Leiber, wo das Boss mit dem Weihe zusammengefügt 
und verbunden ist, bildet einen sanften, keineswegs schroffen Uehergang"; und 
durch die allmählige Umwandlung wird das Auge ganz unvermerkt von dem 
Einen in das Andere übergeführt. Die junge Brut aber erscheint bei dem 
Kindischen im Ausdrucke gleichwohl wild, und trotz ihrer Weichheit schon un- 
bändig; und wie dieses zu bewundern ist, so auch endlich, dass sie ganz nach 
Kinderart nach dem jungen Löwen emporblicken, indem sie jeder sich an die 
Mutterbrust halten und sich eng an die Mutter anschmiegen." 
Dieses Bild scheint seiner ganzen Auffassung nach unter den YVerken des 
Zeuxis nicht vereinzelt gestanden zu haben. Wir können dies aus einer bei- 
läufigen Aeusserung des Lucian schliessen, indem er von einem Philosophen, 
Thrasykles, folgendes charakteristische Bild entwirft (Timon 54): „Da geht er 
mit ausgebreitetem Barte und heraufgezogenen Augenbrauen, so recht aufgeblasen 
und stolz auf sich; blickt wie ein Titan, mit aufgestrtiubtem Haar auf der Stirn, 
80 ein leihhaftiger Boreas oder Triton, wie sie Zeuxis malte." Oh und welche 
 bestimmte Werke des Zeuxis Lucian hier im Auge haben mochte, vermögen 
wir nicht anzugeben. Ihrem ganzen Charakter nach aber eignen sich Gestalten, 
wie Boreas und Tritonen, vortrefflich zu Darstellungen derselben Art, wie wir 
sie in der Kentaurenfamilie kennen gelernt haben. 
Alkmene, welche er den Agrigentinern zum Geschenk machte: Plin. 35, G2. 
Herakles als Kind, wie er die Drachen erdrückt und die Mtitter Alkmene 
nebst Amphitryon erschrocken dabei stehen: Plin. 35, 63; vgl. Philostr. iun. 5. 
Helena, für den Tempel der lakinischen Hera gemalt im Auftrage der 
Krotoniaten, oder wie Plinius will, der Agrigentiner: Plin. 35, 64-; Gicero de inv. Il, 1 ; 
Dion. Hal. n. oigx. löy. ägerdo. p. 68 Sylb.; Valer. Max. III, 7, ext. 3. Einen 
Theil seiner grossen Berühmtheit hat dieses Bild durch den Umstand erhalten, 
dass die Stadt dem Künstler erlaubte, unter den Sämmtliehen Jungfrauen die
        

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