Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200021
und 
blygnotos 
seine 
Zeitgenossen. 
gar zu hoch anschlagen, so waren sie doch immerhin alt, und die Werke des 
Damophilos und Gorgasos im Gerestempel zu Rom 1) sind auf keinen Fall jünger 
als Polygnot; Wanrlgemitlde alten Styls sind endlich noch jetzt in etrurischen 
Cträbern erhalten. Einen Gegensatz aber zwischen Italien und Griechenland im 
Gebrauche dieser Gattung der Malerei anzunehmen, sind wir durch nichts be- 
rechtigt. ja durch die Nachricht über die eben angeführten beiden griechischen 
Maler geradezu verhindert. 
Sehen wir aber endlich von den äusseren Zeugnissen gänzlich ab, so 
müssen wir in unserer Auffassung durch die Betrachtung des Wesens der Malerei 
selbst nur bestärkt werden. Wir haben in der Geschichte der Bildhauer wieder- 
holt darauf hingewiesen, dass die Bronze eine andere Behandlung der Form 
verlangt, als der Marmor. Nicht minder gross ist der stylistische Unterschied 
in der Malerei, je nachdem ein Gemälde auf der Fläche der YVand oder auf 
einer Tafel von Holz ausgeführt wird. Das Wandgemälde soll nicht für sich 
allein bestehen, sondern steht auch mit dem ganzen architektonischen Raume, 66 
der es umgiebt, in einem festen, unauflöslichen Zusammenhange. Die erste 
Aufgabe des Künstlers ist hier, seine Composition so einzurichten, dass der 
gegebene Raum durch dieselbe seine weitere, dem Ganzen entsprechende archi- 
tektonische Gliederung zu erhalten scheine. Auf der strengen Erfüllung; dieser 
Forderung beruht z. B. ein Hauptverdienst der mittelalterlichen Kirchenmosaiken. 
Manche Unregelmässigkeiten des gegebenen Baumes können auf diese Weise 
durch eine geschickte Benutzung von Seiten des Künstlers sogar zu neuen 
Schönheiten Veranlassung bieten, während sie in Tafelbildern vielleicht die 
entgegengesetzte Wirkung hervorbringen würden. Denn hier erscheint die 
äussere Form des Bildes nicht als etwas mit absoluter Nothwendigkeit Gegebenes, 
sondern sie ist, wenn auch nicht immer ganz, doch in weit höherem Maasse dem 
freien Ermessen des Künstlers überlassen, der sich nicht willkürlich Schwierig- 
keiten schaffen soll, um in ihrer Lösung zu glänzen, sondern stets für seinen 
Gedanken die einfachste, natürlichste und entsprechendste Form zu suchen hat. 
ln Bezug auf strenge architektonische Gomposition ist vielleicht das ausge- 
zeichnetste Werk der gesammten neueren Kunst die Disputa von Raphael. 
Man denke sich nun, Raphael habe diese Gomposition, so wie sie ist, ursprüng- 
lich für ein Tafelbild bestimmen wollen, so wird sie dieses Lob nicht mehr, 
wenigstens nicht in so hohem Grade, verdienen: denn die streng architektonische 
Gliederung war nicht mehr mit Nothwendigkeit geboten. 
Bedienen wir uns dieses Beispiels auch noch für eine weitere Betrachtung. 
Man übertrage sich in der Phantasie die Disputa als Tafelbild und in derselben 
Grösse mit Beseitigung aller rein malerischen Beize in einen dem polygn0- 
tischen verwandten Styl, so würde sie durch diesen Styl nur um so mehr ver- 
lieren, als Wandgemälde dagegen jenen früheren Werth ganz ungeschmälert 
bewahren. Der Grund liegt wiederum lediglich darin, dass ein Wandgemälde 
(von dem geistigen Inhalte der Darstellung" natürlich ganz abgesehen) in uns 
schon dann einen hohen Grad der Befriedigung zu erwecken vermag; wenn 
nur jenen architektonischen Forderungen, mit denen freilich die gesammte Zeich-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.