Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1200013
Die 
Maler. 
F euersgefahr Sicherheit gewährte.  „Aber", erwiedern vielleicht die Gegner 
der Wandmalerei, „Plinius sagt doch ausdrücklich, dass nur die berühmt ge- 
worden, welche tabulas, Tafelbilder gemalt." Wenn denn so grosser Vtierth 
auf diesen Ausdruck gelegt wird, so mag er immerhin in seiner engsten Be- 
deutung gefasst werden. Wenn man aber darauf bauend etwa weiter schliessen 
will: Polygnot sei doch gewiss ein laerühmter Künstler gewesen, den auch Pli- 
nius anerkenne und müsse daher seinen Ruhm durch Tafelgemälde erworben 
haben, so muss ich dieser Folgerung bestimmt widersprechen. Der hohe Ruhm 
des Polygnot beruhet keineswegs auf dem Zeugnisse des Plinius. Dieser nennt 
ihn zwar schon berühmt, rechnet ihn aber doch nicht zu den Sternen erster 
Grösse: lumina artis; und nach seinem Urtheil erscheint Apollodor als ein 
Künstler von höherem YVerthe, als Polygnot; was gerade darin seinen Grund 
hat, dass dieser nicht, wie jener, tabulas, Tafelgemälde malte. Es ist in dieser 
Beziehung dem Polygnot ähnlich ergangen, wie den Künstlern der Mosaiken in 
den Kirchen des Mittelalters, von denen einige wenigstens in Bezug auf würde- 
vollen Ernst einc gewisse Vergleichung mit Polygnot zulassen. Nur bei ge- 
lehrten Forschern finden sie einigermassen Anerkennung. Ja sogar Meister wie 
Giotto, deren Ruhm in Italien nach den Studien der letzten Jahrzehnte so fest 
begründet erscheint, wurden noch von Raphael Mengs nicht einmal einiger 
Aufmerksamkeit werth geachtet, und auch jetzt noch stehen sie bei der Masse 
der Liebhaber in andern Ländern an Ruhm denen des 16ten und 17ten Jahr- 
hunderts weit nach. Der Grund davon liegt sicherlich nicht allein in der Alter- 
thümlichkeit der ersteren, sondern darin, dass die Anschauung gerade ihrer 
bedeutendsten Schöpfungen nicht weit verbreitet ist, während mit den Staffelei- 
bildern der Späteren alle Gallerien Europas angefüllt sind. Ganz ähnlich ver- 
hielt es sich mit Polygnot. Plinius führt von ihm ein einziges Bild als in Rom 
befindlich an; und wer weiss, ob dieses nicht etwa nur ein Bruchstück aus einer 
grösseren Gomposition war? Von allen seinen Genossen aber scheint durchaus 
nichts nach Rom gelangt zu sein, obgleich-die Kunstwerke massenweise aus 
Griechenland nach Rom verpflanzt wurden, und in Rom der Geschmack am Alter- 
65 thümlichen keineswegs fehlte. Offenbar liessen sich ihre Werke, weil sie an den 
Wänden hafteten, nicht nach Willkür von einem Orte zum andern versetzen; und 
ihr Ruhm blieb daher hauptsächlich nur an den Orten ihrer Thätigkeit lebendig. 
Jetzt werden wir nun auch einigen Werth auf die Ausdrücke legen dürfen, 
mit denen Plinius, Pausanias u. a. die Werke dieser älteren Künstler erwähnen: _ 
hic Delphis aedem pinxit; hic et Athenis porticum; äni 10,5 "rotxzp, änt ngovdov 
rcäv rutxoov u. s. w. Zwar hat man die Bedeutung auch dieser Ausdrücke 
durch die Annahme zu schwächen gesucht, dass ja ganze Wände mit Holz 
getäfelt gewesen sein könnten. Allein für ein solches Auskunftsmittel sind nicht 
einmal Analogien, geschweige denn Beweise beizubringen. Kein Gemälde auf 
Holz aus dem ganzen Mittelalter und der neueren Zeit ist von solcher Ausdeh- 
nung, dass es seinen Charakter als Statieleibild verleugnen könnte. Wohl aber 
haben wir Nachrichten von wirklichen Wandgemälden aus der ältesten Zeit in 
Italien. Mag auch Plinius 1) das Alter der Gemälde in Ardea, Lanuvium, Caere
        

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