Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199996
Maler. 
61 das ungerechteste, welches je über Kunst gefällt worden ist, wenn dadurch die 
Werke der polygnotischen Schule als einer eingehenden Betrachtung kaum 
würdig hingestellt werden sollten. Allein  sie waren eben keine tabulae, 
sondern Wandgemälde. Das ist meine Ueberzeugung in dieser vielbesprochenen 
Frage: vor Apollodor überwiegt die Wandmalerei in solchem Maasse, dass von 
Tafelgemälden kaum die Rede ist; nach Apollodor ist das Umgekehrte der 
Fall; nur hört die Wandmalerei nicht auf, sondern sie tritt nur als für beson- 
dere Zwecke und Aufgaben geeignet, mehr in den Plintergrund. Die verschie- 
denen Seiten dieser Frage sind von Letronne 1), Roul Bochette 9) und tVelckerß) 
in solcher Ausführlichkeit erörtert worden, dass ich mich mit Beseitigung alles 
dessen, was eine Deutung nach beiden Seiten zulässt, auf wenige entscheidende 
Punkte werde beschränken dürfen. 
Als der unumstösslistche Beweis für die Ansicht, dass Polygnot seine grossen 
Compositionen nicht auf die Wand, sondern auf Tafeln gemalt habe, werden 
zwei Stellen des Synesius 4) hingestellt: aal rrlv äv 37 Zifvaw äcprlooöcpsi Horzünyv, 
 vüv 0132er" oiloav Hotxünyv. 'O yctp ctvfhinarog rdg aocviöag dqvStÄ8rn' 511mm: m5- 
Ävasv aziruüg (cprßtooörpovg) änt ooqiigr neigen: cpgovsiv. Und: (i yotp cfvfjziirarng 102g 
rraviöocg drpeilisro, urig äyxarättsrr) njv rexvqv 6 äx Goioov IIoÄüyvc-irug. Diese 
Angaben scheinen allerdings so positiv wie möglich; um jedoch jede Erörterung- 
abzuschneiden, würden sie nur dann genügen, wenn etwa gesagt wäre: der 
Proconsul nahm die Tafeln weg und brachte sie nach einem andern Orte. Allein 
es handelt sich hier keineswegs um einen Kunstraub, sondern um christlichen 
Fanatismus, welcher die Werke der alten Kunst zerstört, weil sie dem neuen 
Glauben anstössig sind. Erinnern wir uns nur kurz der historischen Verhalt- 
nisse: Himerius erwähnt das Gemälde der marathonischen Schlacht in der Poe- 
kile als noch existirend, Synesius als nicht. mehr vorhanden. Mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit vermuthet daher Letronne  dass das Edict des Theodosius gegen 
den Paganismus im J. 391 den Grund zur Vernichtung gegeben habe. Erst 
elf Jahre später kam Synesius nach Athen, hatte also die Bilder selbst nicht 
62inehr gesehen; ja noch mehr: der erste der erwähnten Briefe ist noch nicht 
einmal aus Athen datirt; Synesius berichtet also nicht über eine Begebenheit, 
die er am Orte selbst erfahren hatte, die sich also bei der Anschauung der 
Localität auch mit ihren Nebenumständen dem Gedächtnisse leicht hätte ein- 
prägen können. Die ganze Erwähnung der Gemälde ist ihm nur Nebensache: 
er ärgert sich über den Stolz der Philosophen, welche den Gipfel der Weisheit 
schon erreicht zu haben wähnten, wenn sie nur in Athen sich eine Zeit lang; 
aufgehalten hätten. Ihr ganzer Ruhm bestehe darin, dass sie die Akademie, 
das Lykeion, die Poekile gesehen hätten. Das sei aber ein Ruhm ganz abson- 
derlicher Art: denn die Poekile sei nicht einmal mehr, was sie heisse, eine 
bunte Halle. Dieser Herrlichkeit habe der Proconsul ein Ende gemacht: nem- 
lich die Bretter weggenommen und die Philosophen hinausgejagt. Als nun 
Synesius selbst nach Athen kommt, da schreibt er wieder: mit Athens Glanz 
sei es vorbei, und flucht auf den Schiffer, der ihn hingebracht. Von Athen sei, 
Zeit. 
1) Lettres d'un 
1336, N. 173  
antiquaire 21 un artiste 
4) ep. 34 und 135. 
Peintures antiques inödites. 
202. 
Litt.
        

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