Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199970
Die 
Maler. 
Rückblick. 
ln den bisherigen Erörterungen habe ich einige für das volle Verstitndniss 
der älteren Malerei wichtige Fragen absichtlich unberührt gelassen, weil ihre 
Behandlung nur auf der Grundlage eines vollständigen Ueberblickes über die 
einzelnen Erscheinungen der behandelten Periode nutzbringend zu werden ver- 
sprach. Ja, es wird" zu diesem Zwecke sogar nothwendig" sein, schon im vor- 
aus einige Blicke auf spätere Erscheinungen zu werfen. Sehen wir von den 
vereinzelten Nachrichten über die Anfänge und die erste Ausbildung der Malerei, 
welche gewissermassen nur die Einleitung; zum eigentlichen Thema bilden. 
gänzlich ab, so ist es Polygnot und seine Genossenschaft, in denen sich das 
Wesen der älteren Malerei am klarsten und in gewaltigen Zügen spiegelt. Die 
Werke dieser Schule, wie ich der Kürze wegen diese Genossenschaft nennen 
will, gehören einer Kunstrichtung an, welche ich schon früher einmal als dem 
Epos in der Poesie entsprechend bezeichnen musste. Es sind grosse mytho- 
 logische und historische Gompositionen, zum Schmucke von Tempeln und Hallen 
von vornherein bestimmt und ausgeführt, von einem Umfange und einem Reich- 
thume an Figuren, wie wir ihn unter den berühmtesten Werken der späteren 
Zeit fast nie wiederfinden. Aber nicht einmal in der unmittelbar sie aufneh- 
menden Generation findet diese Schule Nachfolge und Nachahmung. Die Künstler, 
welche der 90sten Olympiade näher stehen, als der 8Osten, bewegen sich in 
einer durchaus verschiedenen Richtung. Plinius widmet der Schule des Polygnot 
zwar einige, aber doch verhältnissmässig; nur eine geringe Aufmerksamkeit; 
und was er bei Gelegenheit der auch uns weniger bekannten Namen aus der 
9Osten Olympiade bemerkt: dass sich bei ihnen seine Darlegung nicht lange 
aufhalten dürfe, das scheint seine Herzensmeinung auch über jene Schule. Denn 
darauf erst Heilt er zu den Lichtpunkten der Kunst", einem Apollodoros und Zeuxis. 
Apollodor war der erste, „welcher dem Pinsel zu gerechtem Ruhme verhalf", 
Zeuxis derjenige, „welcher den schon etwas wagenden Pinsel zu grossem Ruhme 
erhob". Apollodor malt einen betenden Priester, einen vom Blitze getroffenen 
59 Aiax; "und vor ihm wird kein Bild (tabula) eines andern gezeigt, welches die 
Augen zu fesseln vermochte" 1). Müssen diese Sätze nicht im höchsten Grade 
paradox klingen, wenn wir sie mit den Lobeserhebungen vergleichen, welche 
wir der Kunst des Polygnot zu spenden uns gedrungen fühlten? Die Lösung 
dieses Widerspruches liegt in zwei Punkten, welche mit aller Schärfe hervor- 
gehoben werden müssen, wenn nicht nur einzelnen Missverständnissen, sondern 
einer falschen Auffassung des gesammten Fortschritts der griechischen Malerei 
überhaupt vorgebeugt werden soll; und diese zwei Punkte sind enthalten in 
den Ausdrücken des Plinius: gloria penicilli und tabula. Fassen wir diese Aus- 
drücke richtig, so ist das ganze Räthsel gelöst, weshalb Plinius eigentlich erst 
nach der hohen Blüthe der Kunst unter Polygnot und nachdem sie bereits in 
den grossartigsten Schöpfungen sich versucht hatte, die Geschichte der Malerei 
beginnen lässt. 
Plinius lässt die Malerei zu ihrem Buhme gelangen durch die Herrschaft
        

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