Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199949
Polygnotos 
Zeitgenossen. 
seine 
und 
merkt hat, haben wir hier nicht an den Jagdgenossen des Meleager zu denken, 
Sondern an den Herrscher von Samos, Sohn des Poseidon und der Astypalaea, 
an welchem sich die sprüchivörtlicli gewordene Warnung erfüllte: 
rroÄÄd ins-ragt) nähen xdhxog xoci. XeiÄeog (Zxgov. 
Denn als er schon den Becher mit dem Weine, dessen Genuss ihm nach 
einer YVeissagung nicht sollte zu Theil werden, an die Lippen gesetzt hatte, 
kam die Botschaft, dass ein mächtiger Eber die Aecker verwüste; er zog ihm' 
exitgegen und fiel auf der Jagd.  Das zweite Bild umfasste eine Darstellung 
W11 sechs Figuren: „Priau1us, Helena, (Iredulitas, Ulixes, Deiphobus, Dolus"; 
stellte also, wie Jahn (Arch. Zeit. 184-7,  127) bemerkt, ein Abenteuer des 
(ldysseus aus der letzten Zeit der Belagerung Tinja's dar, nachdem Paris ge- 
fallen und Helena mit Deiphobus vermählt war; wahrscheinlich wie Odysseus 
als Bettler verkleidet sich in die Stadt einschlich und mit Helona den Plan zur 
Eroberung; der Stadt verabredete (Welcker gr. Trag. S. 948  Auffallend kann 
es- sein, dass Plinius dieses Bild von sechs Figuren eine numerosa tabula nennt. 
Die Erklärung dafür werden wir in einer schon unter Myron angeführten Stelle 
llßS Quintilian (V, 10) zu suchen haben: vulgoque (inter opifices) paullo nume- 
rosius opus dicitur argumentosum. Denn trotz der geringen Zahl der Personen 54 
bietet ihre Zusammenstellung eine unerwartete Fülle. von künstlerischen Motiven, 
den Trug des Odysseus, die Leichtgläubigkeit des Priamos, die Verstellung der  
llelena, Motive, welche ein tiefes Verständniss des psychologischen Ausdruckes 
voraussetzen. Ein ähnliches psychologisches Interesse, welches auch dem Bilde 
des Ankaeos nicht fremd sein mochte, wird nun Aristophon auch einem dritten 
Werke verliehen haben: dem Bilde des Philoktetes: Plut. de aud. poet. p. ISO; 
quaest. conv. V, 1, p. G74A. Man könnte versucht sein, eine Beschreibung des 
jüngeren Philostratus (18) auf dieses Gemälde zu beziehen, wenn nicht Parrha- 
sios denselben Gegenstand behandelt hätte und zwar, wie es scheint, in einer 
jener Beschreibung durchaus entsprechenden Weise.  Ausserdem bleiben noch 
jene beiden Gemälde zu erwähnen, welche Satyrus bei Athenaeus (XII, 534D) 
dem Aglaophon zuschreibt, während Plutarch (Alcib. 1G) wenigstens eines der- 
Selben als Werk des Aristophon anführt: Alkibiades von Olympias und Pythias 
gekrönt; und Alkibiades, schöner von Gesicht als die Frauen, auf den Knien 
der Nemea sitzend und in ihren Armen ruhend.  Blicken wir namentlich auf 
die drei ersten Gemälde, so mögen wir einen Einfluss des Polygnot auf seinen 
Bruder gern darin zugeben, dass auch dieser noch vorzugsweise sein Augen- 
merk auf eine bedeutungsvolle geistige Charakteristik lenkte. Aber ein höchst 
Wesentlicher Unterschied zeigt sich schon äusserlich in dem Umfange der Werke 
beider Brüder. Bei Aristophon erscheint als selbständiges Bild, was bei Polygnot 
meist nur den Werth einer Episode gehabt haben würde. Die Werke des Ari- 
Stophon sind Staffeleibilder, wie sie erst im Anfange der nächsten Periode eine 
überwiegende Geltung gewinnen. Dass aber die ganze Behandlung solcher Ge- 
mälde wesentlich verschieden sein musste von der jener grossen und umfang- 
reichen, zum Schmucke von Tempeln und Hallen bestimmten Schöpfungen, 
leuchtet theils an sich ein, theils wird es durch spätere Erörterungen in ein 
noch helleres Licht gesetzt werden.  
Ein Landsmann des Aristophon War:
        

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