Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203984
Einleitung. 
4-41 
Die genannten Orte scheinen aber als ein Gesammtgebiet betrachtet werden zu 
müssen, indem nicht selten die gleichen Namen an mehreren derselben vor- 
kommen: eine Erscheinung, die nicht auffallen kann, indem keiner von Vulci 
mehr als etwa zwei gewöhnliche Tagereisen entfernt ist. Bedeutsamer ist die 
Thatsache, dass manche der aus Etrurien bekannten Namen sich auch ausser- 
halb deriGrenzen dieses Landes wiedergefunden haben: Euthymides (freilich 
nur nach einer Vermuthung) in Hadria; Pistoxenos und Epiktet in Capua; Archi- 
kles und Euthymides in Nola; Nikosthenes und Taleides in Agrigent; Tleson in 
Korinth; Ergotimos in Aegina und Epiktet in Pantikapaeon. Da. wir es hier 
nicht mit einem einzelnen, vielleicht zufälligen Beispiele, sondern mit einer 
ganzen Reihe zu thun haben, so werden wir durch diese Thatsache mit Be- 
stimmtheit auf einen ausgebreiteten Handelsverkehr mit gemaltem Geschirr hin- 
gewiesen. Zur Beurtheilung der Frage, ob derselbe etwa von Etrurien (durch 
dortige Fabriken eingewanderter Griechen) ausgegangen oder vielmehr dorthin 
gerichtet gewesen sei, mag es erlaubt sein, auf eine sehr eigenthümliche Er- 
scheinung hinzuweisen. Von keinem Künstler sind mehr Vasen erhalten als 
von Nikosthenes und zwar hauptsächlich Trinkschalen und eine besondere Art 
von Amphoren. Letztere sind, soviel bekannt, nur in Caere zu Tage gekom- 
men, die Trinkschalen in Vulci: die Fabrik des Nikosthenes war daher offenbar 64'. 
nicht an einem der beiden Orte, sondern an einem dritten, von wo aus die be- 
sonderen Arten der Gefässe je nach dem besondern Geschmacke und der Mode 
der fremden Städte exportirt Wurden. Dieselbe Erscheinung scheint sich bei 
den Vasen des Panphaeos zu wiederholen. Dass Attika der Mittelpunkt der 
Fabrikation gewesen sei, mag aus anderen Gründen wahrscheinlich sein, lässt 
sich aber durch die Künstlerinschriften nicht beweisen: es liesse sich sogar be- 
haupten, dass die zwei einzigen aus Athen bekannten Gefässe mit den Namen 
des Hegias, des Hilinos und Psiax eine feinere und geistreichere Behandlung 
zeigen als die Masse der aus Etrurien stammenden Gefässe, wenn nicht Wiederum 
zuzugeben wäre, dass bei den für Nicht-Athener gearbeiteten Gefässen der 
Geschmack der Besteller Berücksichtigung finden mochte: entschieden ist dies 
der Fall an der bei Pantikapaeon gefundenen Vase des Xenophantos, der wohl 
gerade deshalb, weil er in der Fremde arbeitete, ausnahmsweise sein Vaterland, 
Athen, angiebt. In den Namen selbst ist ein speciell attischer Charakter nicht 
zu erkennen; eher, wie Jahn bemerkt (S. 107), deuten die vielen seltenen und 
sonderbaren, häufig noch dazu wenig orthographisch geschriebenen unter ihnen 
auf den Handwerkerstand. 
Wenn wir demnach die Frage nach dem Vaterlande der Künstler hier un- 
entschieden lassen müssen, so darf doch nicht unbemerkt bleiben, dass sich 
aus der gesammten Masse einige Namen in bestimmter Weise ausscheiden. Es 
sind Assteas, Lasimos, Meidias, Python. Ihre XVerke gehören sämmtlich dem 
frei entwickelten, ja zum Theil dem spätesten Styl der Vasenmalerei an. Dem- 
gemäss ist auch die Paläographie der Inschritten die spätere, theils in den For- 
men der Buchstaben, theils in der Anwendung der langen Vocale. Die Werke 
dieser Künstler aber stammen sämmtlich aus Unteritalien. Das Zusammentreffen 
dieser Umstände führt uns also wie von selbst auf die Annahme einer von den 
übrigen getrennten, speciell unteritalischen Vasenfabrikation, und bestätigt
        

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