Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203899
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Die 
G emmenschneider. 
Ein Eros hebt die Decke von dem Sessel, welcher dem Paare zum Sitz dienen 
soll, während ein anderer, nach den gebogenen Flügelspitzen etwa Anteros zu 
benennen, von hinten über ihren Häuptern die sogenannte mystische Schwinge 
erhebt. Die Darstellung wurde zuerst nach einer Zeichnung des Pirro Ligorio 
bekannt gemacht, welche Spon aus den Papieren des Bascas de Bagarris er- 
hielt; dass der Stein selbst sich in Ligorio's Besitz befunden habe, wie Köhler 
behauptet, geht aus Spon's Angaben nicht hervor. Später kam derselbe in die 
ArundePsche und von da in die Marlboroughsche Sammlung (aus welcher er 
jetzt verschwunden ist, vergl. Gerhard's Arch. Anzeiger 1854, p. 4-33): Spon 
Recherches cur. p. 87, pl. 3; Miscell. p. 7, t. 3; Stosch t. 70; Bracci II, t. 114-; 
Raspe 7199, pl. 42; Gades II, B, 286; G. I. 7267. Ein Steinschneider Tryphon 
ist durch ein Epigramm des Adaeos in der Anthologie (Anall. II, p. 242, n. G) 
bekannt, wo als sein Werk ein Beryll mit der Darstellung dar Galene gepriesen 
wird. Indern man nun den Dichter der Anthologie mit dem von Polemon ge- 
kannten Adaeos identiiicirte und demnach für einen Zeitgenossen des Polemon 
und des Königs Antigonos hielt, glaubte man auch den Künstler des Arundelü 
sehen Steines in dieselbe Zeit setzen zu dürfen, wogegen jedoch schon die runde 
Formdes 6 sprechen würde, deren Gebrauch für die damalige Zeit wenigstens 
noch nicht sicher nachgewiesen ist. Aber schon Beiske hat darauf aufmerksam 
gemacht, dass jenes Epigramm durchaus das Gepräge einer spätern Zeit trage. 
Damit wäre allerdings die Möglichkeit wieder gewonnen, den Künstler des Epi- 
gramms und des noch erhaltenen Steines für eine Person zu halten. Aber hier- 
von ganz abgesehen, darf auch eine andere Möglichkeit nicht geleugnet werden, 
dass nämlich der Name auf dem Gamee in neuerer Zeit von dem Epigramme 
636 entlehnt sein könne. Köhler, der (S. 201) diesen Verdacht zuerst äussert und 
den Stein unter die setzt, „deren Alterthum sowohl wegen der Kunst, als wegen 
der Aufschrift ungewiss ist", spricht sich zwar vorsichtiger als gewöhnlich aus, 
weil ihm nur mangelhafte Abdrücke zu Gebote standen. Dagegen verdammt 
Stephani wenigstens die Inschrift ganz entschieden (bei Köhler S. 358; angebl. 
Steinschneider S. 188; 191; 197 und 24-7). Der Schnitt zeige zwar einen von 
den Fälschungen des achtzehnten Jahrhunderts wesentlich verschiedenen Gha- 
rakter: der Name sei in der gewöhnlichen Weise seiner (des Ligorio) Zeit in 
ebenso grossen als derben Buchstaben abgefasst, deren Schnitt wesentlich den- 
selben Charakter zeige, den der Name des Lorenzo de' Medici auf den ihm einst 
angehörenden Gemmen zu zeigen" fptlege. Wenn ich nun auf einige andere 
Gründe Stephanfs: die vertieften Buchstaben, die Stellung der Inschrift über 
(E15 Dargestellten, statt im Abschnitt, keinen Werth legen kann, so muss ich 
doch zugeben, dass, „was aus den Händen des Ligorio kommt, heut zu Tage 
Niemand ohne die gewichtigsten Gründe für echt gelten lässt", zumal in dem 
Epigramme der Anthologie die mögliche Quelle der Fälschung klar vorliegt. 
Sind aber dadurch gewichtige Zweifel einmal angeregt, so möchte ich dieselben 
eben so sehr gegen die ganze Arbeit, als gegen die blosse Inschrift richten. 
Denn die So höchst liebliche und anmuthige Darstellung zeigt doch des sach- 
lieh Auffälligen mancherlei. Die Braut erscheint allerdings in antiken Hoch- 
zeitsvorstellungen mit dem Schleier, aber WO mit bedecktem Gesicht? Und nun 
gar der Bräutigam? Die Taube ferner, welche Eros an seine Brust drückt, ist
        

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