Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203744
Heius. 
Auf einem Glasflusse, der nach Stosch (pref. p. 7) von einem Achat genommen 
sein soll, ist im archaistischen Styl Artemis in langem Gewande, welches die 
linke Brust entblösst lässt, stehend gebildet, wie sie mit der Rechten einen neben 
ihr stehenden Hirsch am Geweihe fasst, während sie in der Linken ruhig den 
Bogen hält; im untern Abschnitte liest man HEIOY: Stosch t. 36; Gaylus Beo. 
de 300 tetes, pl. 285 (wo fälschlich JUETOY steht); Bracci ll, t. 76; Winck. 
Descr. ll, 287; Lippert I, 212; Baspe 2127; Cades l, F, 14 (dazu XXII, P, 619 
eine moderne Copie); G. I. 7194-. Was zuerst den Namen anlangt, so hat ge- 
wiss Letronne (Arm. dell' Inst. XVII, p. 269) das Richtige getroffen, wenn er 
ihn für den ursprünglich oskischen Heius nimmt, denselben, den der bekannte 
mamertiner Kunstfreund in Gicerols Verrinen führt, und den wir auch aus Münzen 
und aus einer griechischen Inschrift kennen:  5858; vgl. Th. I, S. 366. Da 
nun aber die griechische Schreibung EIOE ist, so muss die nur der alten Zeit 
eigene Aspiration durch H hier als augenfällige Uebertragung eines Unkundigen 
aus dem Lateinischen nothwendig Verdacht gegen die Echtheit der Gemmen- 
inschrift erwecken. Gegen diese Darlegung Letronne's bemerkt zwar Stephani 
(bei Köhler S. 313), obwohl auch er die Inschrift als gefälscht bezeichnet: „ich 
sehe auch nicht recht ein, wie man, ohne diese Inschrift schon auf einem an- 
tiken Steine vorzufinden, darauf kommen konnte, jenen bekannten Heius zu 
einem Steinschneider zu machen, wofür kaum eine Analogie würde nachgewiesen 
werden können. Denn der Annahme, dass der erste Fälscher durch den Namen 
habe anzeigen wollen, dass der Stein jenem bekannten Heius angehört habe, 
und nicht, dass er von ihm geschnitten sei, widerspricht dem Geschmack der 
Zeit, in welcher der Name auftaucht, und der Umstand, dass er sogleich bei 614 
seinem ersten Bekanntwerden für den eines Künstlers ausgegeben wird." Es 
wird daher vermuthet, dass wenigstens ein echter Stein mit diesem Namen vor- 
gelegen habe, der Name aber für den bekannten Beinamen des Apollo "Hwg 
in einer zur römischen Zeit nicht seltenen Schreibung des Idurch EI zu halten 
sei. Möglich sei es danach, dass der erst später veröffentlichte Garneol Gre- 
ville's in Spilsburyls Goll. of Gems t. 13, der einen Apollokopf mit der Beischrift 
HEIOY darstellt, den Boden bilde, auf welchem der neue Künstler Heius er- 
wachsen sei. Um kurz zu sein, so scheint mir diese Erklärung zu gesucht, um 
zu überzeugen; und wenn schon die Schreibung des kurzen I durch EI über- 
haupt nur ausnahmsweise sich Endet (Franz Elem. epigr. p. 24-7; Keil anal. 
epigr. p. 126), so möchte sie sich am wenigsten bei einem I, wie in ÜLOQ, wo 
es zwischen 17 und o in der Aussprache fast verschwindet, nachweisen lassen. 
Weiss ich nun freilich auch keinen bestimmten Grund für die Wahl dieses Na- 
mens zu einer Fälschung anzugeben, so muss ich mich doch der Erklärung 
Letronne's wegen ihrer Einfachheit (und Natürlichkeit anschliessen. Davon un- 
abhängig ist die Weitere Frage, ob wenigstens das Bild von alter Arbeite ist. 
Die von etruskischen Scarabäen abgeborgte Einfassung des Feldes, auf die 
Köhler S. 154- aufmerksam macht, würde noch kein hinreichendes Zeugniss da- 
gegen abgeben. Auch das Aengstliche und Gesuchte ist zu sehr eine allgemeine 
Eigenschaft aller archaisirenden und trotzdem antiken Arbeiten, um eine Ent- 
scheidung zu geben. Wohl aber ist „die entblösste Brust der Göttin, welche 
Brnnn, Geschichte der griechischen Künstler. II. 2. Aufl. 27
        

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