Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203553
Gemmenschneider. 
trügerischer Absicht eingeschnitten worden, gewiss in hohem Grade unwahr- 
scheinlich erscheinen. Mir scheint demnach, ehe dieses Verdamrnungsurtheil 
als begründet anzuerkennen ist, eine nochmalige Prüfung des Steines selbst, 
und sofern dies möglich sein sollte, seiner Geschichte dringend nothwendig. 
Ungünstig muss dagegen unser Urtheil über alle anderen Inschriften des 
Sostratos ausfallen. Bei Stosch finden sich deren zwei, die erste auf einem 
Camee, der aus dem Besitz des Cardinals Ottoboni in den des Herzogs von 
Devonshire, und wie es scheint, später in die Bever1ey'sche Sammlung über- 
gegangen ist. Leider ist derselbe fragmentirt und von einer Figur auf dem 
Wagen ist nur eine Hand erhalten. Der Wagen ist mit zwei Löwinnen be- 
spannt, welche von einem Eros im Knabenalter gezügelt werden. Stosch t. 66; 
Bracci ll, t. 110; Lippert I, 288; Raspe 6731; Cades ll, A, 281; erwähnt auch 
von Winck. Descr. II, 1087; G. I. 7264-. Das schöne, frei und elegant gearbeitete 
Bild ist allgemein als echt anerkannt. Die Echtheit der Inschrift jedoch, welche 
sich im untern Abschnitte findet, wird von Köhler (S. 191) und Stephani (Angebl. 
Steinschneider S. 231) bezweifelt und ich muss diesen Verdacht theilen, nicht 
sowohl aus den von ihnen angegebenen Gründen, als deshalb, weil ich auf einem 
sehr guten Gadesschen Abdruck die Inschrift nicht CQCTPATOY, wie bisher 
allgemein üblich, sondern deutlich COCTPATOY lese.  Ebenfalls fehlerhaft, 
nämlich CCJTPATOY lautet die Inschrift auf dem zweiten Steine, einem Camee, 
der gleichfalls aus Ottobonfs Besitz in die Sammlung Devonshire kam. Dar- 
gestellt ist Meleager, die Eberhaut haltend, der sitzenden Atalante gegenüber 
stehend. Die Inschrift, vertieft geschnitten, findet sich hinter Meleager: Stosch t. 67; 
Bracci ll, t. 111. Der Styl der Arbeit ist nach Stosch's Urtheil von dem der 
Löwenbiga wesentlich verschieden. Wenn aber Kühler (S. 178) die Arbeit als 
"wahrscheinlich neu" bezeichnet, so wundere ich mich, dass er sich in diesem 
586 Falle nicht bestimmter ausgedrückt hat. Ich will nicht von Einzelnheiten 
sprechen, wie der durchaus nicht im antiken Styl behandelten Eberhaut, da 
darin die Zeichnung mangelhaft sein könnte. Aber wie Würde ein alter Künstler 
seine Composilion so ungeschickt geordnet haben, dass zwischen beiden Fi- 
guren von der Mitte nach oben eine grosse Lücke und Leere entsteht? Und 
 endlich würde es keinem antiken Künstler eingefallen sein, Atalante fast nackt, 
nur mit einem leichten Ueberwurf über Rücken, linken Arm und Schenkel zu 
bilden; sie müsste in leichtem Jagdcostüm, wie Artemis dargestellt sein. Ich 
halte demnach diesen Gamee unbedingt für ein modernes Werk.  Dadurch 
wird natürlich auch ein Garneol mit der Darstellung des Bellerophon, der den 
Pegasus tränkt, verdächtig, indem derselbe die gleiche fehlerhafte Inschrift C0)- 
TPATOIT darbietet: Raspe 9052, Cades XXII, P, 30 (als modern). Ausserdem 
ist aber dieses Bild eine offenbare Copie eines bekannten Marmorreliefs im 
Palast Spada zu Rom: Zwölf Basreliefs, herausgz vom arch. Institut, T. 1; vgl. 
Köhler S. 177 und 34-0; Stephani, Angebl. Steinsch. S. 234-, welcher zugleich 
bemerkt, dass die Inschrift  auf einem Sardonyx mit derselben Vor- 
stellung (Baspe 9058; Stuart und Revett Alt. v. Athen, Lief. 27, T. 11, N. 13) 
nur ein weiteres Verderbniss jenes Namens ist. 
In die Devonshirelsche Sammlung ist ferner aus Stosch's Besitz ein Garneol 
gelangt, auf dem Nike im Begriff ist, einen niedergeworfenen Stier zu opfern;
        

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