Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203544
Wirkliche und 
angebliche Steinschneitler 
Gemmeninschriften. 
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deutung der griechischen Buchstaben ein C für ein K geschrieben; 4) weil nur 
in neuerer Zeit dem A die barbarische Gestalt Ä gegeben werden konnte, worin 
diese Aufschrift mit der oben als neu bewiesenen des vormals Riccardfschen 
Mäcenas (mit Solons Namen) zusammentriift. Vier wesentliche Fehler, von denen 
einer zureichen würde, die Neuheit dieser Aufschrift zu beurkunden." Trotz 
dieser gewichtigen Bedenken wage ich nicht mich Köhler's Verdammungs- 
urtheil ohne weiteres anzuschliessen. Schon die Publicationen aus dem sieb- 
zehnten Jahrhundert geben dem Steine wie der Inschrift eine gewisse Auctorität. 
Trennen wir den letzten undeutlichen Buchstaben von den übrigen, so erhalten 
wir den gut griechischen Namen Sosos. So wäre es immerhin möglich, dass 
sich auch für die übrigen Bedenken später noch eine günstigere Lösung finden 
liesse. 
Eine Copie der Meduse aus der Hemsterhufschen Sammlung, jetzt im 
Haag (de Jonge Notice p. 160 n. 3) hat Natter selbst als sein Werk bezeichnet, 
indem er über die Inschrift COCOKAHC ein N setzte: Clarac p. 205; Creuzer 
zur Gemmenkunde S. 141.  
Ein Sardonyx des Lord Aldborough mit dem Kopfe des Iunius Brutus und 
der Inschrift (JQJCOCJI, Baspe 10662, giebt sich schon durch die Wiederholung 
der Fehler im Namen als Fälschung zu erkennen. 
Sostratos. 
Die Aufzählung der verschiedenen Steine mit dem Namen des Sostratos be- 
ginne ich mit einem Gamee, der einst im Besitze des Lorenzo Medici mit der 
farnesischen Sammlung nach Neapel gekommen ist. Dargestellt ist auf dem- 
selben Nike (oder Eos). die Bosse des Zweigespannes von ihrem Wagen aus 
lenkend, der nicht auf der Erde, sondern in den Lüften einherfährt. Im obern 
Raume liest man CQCTPATOY (Q fast wie A, P fast wie F), während die 
Inschrift LAVB. MED zwischen den Füssen der Bosse angebracht ist; Winck. 
Descr. II, 1087; Lippert I, 689; Raspe 7774; Cades II, N, 37. An dem Alter 
dieses schönen Bildes zweifelt weder Kühler (S. 191) noch Stephani (S. 352 und; 
Angebl. Steinschneider S. 233). Dagegen soll die Inschrift moderner Zusatz 
sein; und zwar bemerkt ersterer nur allgemein: sie besitze nichts, was für ihre 
Echtheit einen Beweis liefern könnte, sie sei vielmehr ganz den übrigen ver- 
fälschten ähnlich. Wenn dies Stephani dahin erläutert, dass „die äusserst kleinen 
Buchstaben aus ganz dünnen und leicht geritzten Linien mit Kugeln an den 
Enden bestehen, ganz den gefälschten lnschriften des achtzehnten Jahrhunderts 
entsprechend, so sind dies dieselben Kriterien, auf welche hin mehrfach auch 
echte lnschriften von Stephani angefochten werden. Auch der weitere Grund, 
dass die Buchstaben vertieft geschnitten sind, giebt keine Entscheidung. End- 
lich soll die Stellung der Inschrift über den Pferden lehren, dass sie ein späterer 
Zusatz ist; ja sie soll „wahrscheinlich noch später hinzugefügt sein, als der 
Name des Lorenzo de" Medici, da sie sonst gewiss dort angebracht sein würde, 
Wo wir diesen finden". Materiell unmöglich ist dies freilich nicht, aber be- 586 
denken wir, dass die mediceischen Gemrnen in Neapel in den Besitz der Far- 
heseis durch Margarethe, Gemahlin des Alexander Medici, kamen (Bracci II, p. 173), 
also seit Lorenzds Zeit sich nicht in den Händen von Privaten oder Kunst- 
händlern befanden, so muss die Annahme, dass in dieser Zeit der Name in be-
        

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