Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203471
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Die 
Gemmenschneider. 
zehnten Jahrhundert eine solche Uebertragung möglich gemacht hätte, so ist 
doch nicht zu übersehen, dass der Glasfluss seine Inschrift schon zu Agostinfs 
Zeit trug, welcher jedoch den Namen nicht, wie Stosch, sondern I"IZIIAAIO' 
las. In welche Zeit sollten wir aber mit nur einiger Wahrscheinlichkeit die 
Fälschung verlegen? Dazu kömmt, dass, was Köhler über den Schnitt der 
Buchstaben bemerkt, durchaus falsch ist, wie schon Stephani bemerkt. Denn 
von Schärfe und Tiefe sind sie so weit entfernt, dass bis heute nicht einmal 
ihre Lesung hat vollkommen festgestellt werden können, was sich, soweit sich 
nach Abdrücken urtheilen lässt, eben daraus erklärt, dass sie denselben Grad 
von Corrosion, wie die ganze übrige Oberfläche des Glasflusses erlitten haben, 
also mit diesem gleichzeitig sind. Trotz dieses Zustandes verräth aber endlich 
die Arbeit selbst, namentlich mit ähnlichen Darstellungen verglichen (z. B. Wünck. 
Descr. Il, 1567-69), ihren antiken Ursprung durch das innere Leben, von welchem 
das ganze Bild durchweht ist, durch die Feinheit der ganzen Anlage und durch 
die ungesuchte Eleganz und Leichtigkeit der Ausführung. Wenn ich trotzdem 
Pergamos nicht unter den unzweifelhaft sicheren Steinschneidern seinen Platz. 
angewiesen habe, so hat dies seinen Grund nur in dem Zweifel an der richtigen 
Lesung des Namens. 
Auf anderen Steinen bezieht man die Inschrift P8P, PEJPI", PBPPAZII 
nicht auf einen Künstler, sondern auf den dargestellten Kopf als das Bild des 
Heros Pergamos: Raspe 10105-7; Tölken Beschr. K1. IV, 399.  Auf einem 
Stoschischen Schwefel mit dem Bilde des Stier-tragenden Herakles (Raspe 5761) 
scheint die Fehlerhaftigkeit der Inschrift PBPFANoY auf moderne Fälschung 
zu deuten. 
Pharnakes. 
Von den neun bei Stephani (Angebl. Steinschn. S. 241-246) zusammengestellten- 
574 Steinen, auf denen sich sein Name ganz oder theilweise findet, ist zuerst ein 
Carneol bekannt gemacht worden, welcher rnit der farnesischen Sammlung nach 
Neapel gekommen ist. Dargestellt ist ein Meerpferd und darunter liest man: 
(DAPNAKHC 
 
Stosch t. 50; Bracci II, t. 98; Winck. Descr. II, 4185; Lippert I, 80; Raspe 2663; 
Cades I, C, 42; G. I. 7270. Köhler  178 erklärt Bild und Inschrift für m0- 
dern, Stephani hält wenigstens das Bild möglicher Weise für echt, da es frei 
und gewandt geschnitten, aber freilich keine bedeutende Arbeit sei. Dass auf 
ein so anspruchsloses Werkchen ein Künstler seinen Namen gesetzt haben sollte, 
scheint allerdings auch mir wenig wahrscheinlich. Wenn wir ferner für die Ab- 
kürzung EU in der Inschrift des Eutyches ein sicheres Beispiel besitzen, so ist 
doch dieselbe auf dem farnesischen Steine nicht unverdächtig, da sie durch 
keinen äussern Grund irgendwie gerechtfertigt wird. Weiter erscheinen auf dem 
mir vorliegenden Abdrucke die Buchstaben zwar nicht als „aus ganz dünnen 
und nur seicht geritzten Linien mit leichter Andeutung von Kugeln an den En- 
den" gebildet; wohl aber muss ich Stephani die „berechnete Regelmässigkeit" 
zugeben, und überhaupt bekennen, dass ihr Charakter im Allgemeinen durch- 
aus nicht in Harmonie mit dem Charakter des Bildes erscheint. Die Inschrift 
muss daher mindestens als verdächtig bezeichnet werden.
        

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