Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203434
Gemmenschneider. 
Zeit des Ursinus sein, um auf diese Weise die Bildnisssarnmlung berühmter 
Männer des Alterthums durch denjenigen Heros zu vermehren, von dem das 
merkwürdigste Volk des Alterthums den Namen der Hellenen erhalten hatte. 
Mit Recht bemerkt dagegen Tölken (Sendschreiben S.  dass in diesem Falle 
der zu solchem Betruge ersehene Kopf höchst ungeschickt gewählt sein würde. 
Die ganze Verdächtigung des Ursinus ist aber bereits an mehreren Beispielen 
als unbegründet nachgewiesen worden. An dem Alter der Inschrift ist also 
nicht zu zweifeln. Dagegen Wage ich nicht, ohne den besondern Charakter der 
Schrift aus einem Abdrucke zu kennen, eine Entscheidung darüber abzugeben, 
ob der Name nach der gewöhnlichen Annahme den Steinschneider, oder nach 
Tölken's Meinung den Besitzer bedeute, „mag nun derselbe Hellen, Hellenios, 
Hellenikos oder wie sonst geheissen haben". Im vorigen Jahrhundert kam der 
Stein nebst einer Wiederholung desselben aus Crozafs Sammlung (Mariette 
Catal. p. 11) in die des Herzogs von Orleans (t. I_I, pl. 9); und mit dieser später 
in das petersburger Cabinet, während die ausgeschiedene Wiederholung in die 
Sammlung im Haag übergegangen ist: de Jonge Notice p. 160; Köhler S. 259. 
 Ein zweiter Stein: eine scenische Maske mit der Inschrift EAAI-IN befindet 
sich nach B. Bochette Lettre p. 141 und Glarac p. 124 im Blacaäschen Besitz. 
Seine Herkunft aus der de la Turbie'schen Sammlung lässt jedoch eine genaue 
Prüfung seiner Echtheit wünschenswerth erscheinen.  Den Kopf eines fröh- 
lichen mit Beblauh bekränztenv jugendlichen Satyrs der berliner Sammlung mit 
der Inschrift EAAHNOY hält Tölken S. 55 „unbedenklich für modern, da er 
in der Art der pausbackigen Bacchusköpfe in deutschen Stadtweinkellern ge- 
bildet ist, obgleich die Ausführung die Hand eines Meisters verräth". 
Kronios. 
Sogenannte Terpsichore, stehend, mit der Leier an einen Pfeiler gelehnt; KPO- 
568 NIOO  BH: Gori lnscr. etr. I, t. t, 1; Bracci II, t. 56. Bracci bezeichnet die 
Arbeit als modern und wahrscheinlich von der Hand des Flavio Sirleti her- 
rührend; und da das Bild, mit dem der Muse des Onesas ziemlich überein- 
stimmend, auch sonst zu Fälschungen benutzt worden ist, da der Name des 
Kronios, als der eines der berühmtesten Steinschneider des Alterthums von 
einem Fälscher leicht aus Plinius entlehnt werden konnte, da endlich auch die 
Abkürzung 67H verdächtig erscheinen mochte, so hat in neuerer Zeit niemand 
dem Urtheil Braccfs widersprochen. Doch dürfte es nicht überflüssig sein, auf 
einige äussere Umstände aufmerksam zu machen. Dass Andreini den Stein 
besessen, dass ihm dieser gestohlen und nur ein Abdruck geblieben sei, nach 
dem Gori seine Abbildung herausgegeben, ist ungenau. Gori (Columb. libert. 
Liviae p. 155) sagt ausdrücklich, dass Andreini nur einen Abdruck besessen, 
der ihm mit anderen Steinen gestohlen sei: Huius vero gemmae singulare 
ectypum dumtaxat extabat in Andreinia dactyliotheca, quod ipse reperitiinter 
alia plura, quinquaginta adhinc annis, apud quemdam florentinum artiücern, 
eximium sigillerum scriptorem in gemmis, in otlicinis Medicei musei, cogno- 
mento „il Borgognone". Andreinfs Zuverlässigkeit ist zwar von Kühler heftig 
angegriffen worden: allein, dürfen wir fragen, was hätte ihn wohl zur Erfindung 
der obigen Erzählung veranlassen können, wenn es sich nicht um einen Stein, 
sondern nur um einen Abdruck handelte? War aber der Abdruck schon fünfzig
        

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