Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203400
und 
NVirkliche 
angebliche 
Steinschneider 
Urcnnncninsvhri ften. 
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der berühmtesten Künstler, wie Raphael, Michelangelo, Domenichino, Marc Anton 
fast immer nur mit ihren Vornamen zu nennen. Dass wir für diesen Gebrauch 
unter den antiken Bildhauern und Malern keine Analogien nachweisen können, 
erklärt sich einfach daraus, dass überhaupt nur sehr Wenige mit römischen 
Namen bekannt sind. Die Inschrift FAQ-HOC? unter dem Kopfe des Herakles 
gehört demnach zu den am besten beglaubigten, welche wir besitzen; und dass 
sie einen Künstler bezeichne, dürfen wir wenigstens nicht von vorn herein als 
unmöglich abweisen, indem auch die Arbeit des Kopfes von der Art ist, dass 
sie den Künstler zur Beifügung seines Namens wohl berechtigen durfte. Zwar 
urtheilt Köhler S. 14-4 im Gegensatz zu Visc0nti's empbatischen Lobsprüchen, 
dass „durch den grossen Fleiss, den man in der Ausführung des Gesichtes und 
der Haare verschwendet, das Ganze an Kraft und Geist verloren habe". Doch 
aber erkennt auch er S. 14-2 an, dass dieser schöne Jünglingskopf mit sehr viel 
Zartheit und Gefühl dargestellt worden; dass die Locken leicht, mannigfaltig  
und abwechselnd, zugleich reich und zierlich gebildet seien. 
Ausser diesem Steine ist eine ganze Reihe anderer bekannt, welche den 
Namen des Gnaios tragen; ein Theil davon ist anerkanntermaassen unecht, ein 
anderer mindestens verdächtig; und als echt lässt sich, mit Bestimmheit we- 
nigstens, keiner nachweisen. Aus Apostolo Zeno's Sammlung publicirte Venuti 
(Collect. ant. t. 75) im J. 1736 das Bild eines Athleten, der im Begriff ist sich 
zu salben. Die Inschrift  wurde damals ITIAIO)" gelesen; und wenn 
Vettori (Diss. glypt. p. 5) diesen Namen nicht in das Verzeichniss der Stein- 
schneider aufnehmen wollte, so erscheint es doch zweifelhaft, ob er nur an der 
Form des Namens Anstoss nahm oder ob er Gründe des Zweifels an der Echt- 
heit überhaupt hatte. Später besass den Stein Stosch, dann Lord (Duncannon) 
Besborough und endlich der Herzog von llarllaorough: Natter Methode pl. 25; 
Bracci 1, t. 51; Winck. Descr. zu V, 9; Lippert ll, 908; Raspe 7931; (lades VIIl, 
F, 74-. Köhler spricht  98 über diesen Stein ausführlich: "Die Aufschrift, die 
schon dem Vettori verdächtig geschienen hatte, ist augenscheinlich neu, eben 
so auch die saubere und fleissige Arbeit.   Natter spricht mit so vielen Lob- 
preisungen von diesem Steine, welchen er in einem Umrisse liefert, dass man 
sich vielleicht nicht irren würde, wenn man ihn für den Verfasser desselben 
halten würde. Er nennt diesen Stein einen niorgenlandischen Hyacinth, sagt 
aber dabei, er habe die Farbe eines böhmischen Granats. Da nun Natter den 
Stein in Händen hatte und hinreichende Kenntniss der Steine besass, deren_ 
alte und neue Lithoglylahen sich bedienten, so konnte unsere Gemme kein 
Iacinthe oder Iacynthe guarnachin sein, wie Visconti und Venuti sie nennen; 
Sie ist vielmehr ein schöner böhmischer Granat von mehr als gewöhnlicher 
Grösse, und um so mehr eine Arbeit Natter's, weil dieser Stein den Alten un- 
bekannt war. Diese Gemme ist auf ihrer Oberfläche, wie Natter bemerkt, völlig 
flach; noch ein Beweis ihrer Neuheit, weil alle sowohl dunkel als gelbrothe 
Granaten, welche unrichtig Hyacinthe genannt werden, die von alten Künstlern 
geschnitten worden, stets und ohne Ausnahme convex geschliffen sind." Was 
Köhler über die Steinart bemerkt, vermag ich nicht zu beurtheilen; und da er 564 
die Gemme selbst nicht gesehen hat, so ist eine nochmalige Untersuchung der- 
Selben sehr wünschenswerth. Im Abdruck erscheint die Arbeit allerdings ziem-
        

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