Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203262
Wirkliche 
angebliche 
lschneider 
(iennneni11schriften. 
369 
ist mindestens sehr unglücklich gewählt. Die Kugeln treten allerdings bei der 
Untersuchung mit gewaffnetem Auge sehr deutlich und bestimmt hervor; mit 
blossem Auge betrachtet, erscheinen sie dagegen so Wenig "unverhältnissmässig 
gross", dass sie vielmehr fast gänzlich verschwinden und die Inschrift im Ganzen 
den Eindruck grosser Eleganz gewährt. Wie wenig endlich ein schlagender 
Grund vorliegt, die Inschrift der Gemme durch die des Grabsteins zu verdäch- 
tigen, ist schon oben durch die Hinweisung auf die Art der Aeusserungen Ve- 
nuti's und selbst Vettori's angedeutet worden. 
Tölken unternimmt es nun zunächst, das Bildniss als das des Sextus 
Pompeius durch die Vergleichung mit einem seltenen Aureus zu rechtfertigen, 
auf dem man früher Pompeius den Vater zu sehen glaubte. Ausserdem aber 
entspreche es in seiner seelen- und lebensvollen Behandlung so sehr dem, was 542 
wir von dem Charakter, den Tugenden und Fehlern des Sextus wissen, dass 
es nur nach dem Leben modcllirt sein könne: ein Fälscher könnte eben so gut 
den ganzen Menschen als dieses Abbild erdichten. „Es trägt für jeden Kun- 
digen seine Beglaubigung in sich, was selbst Raspe bekennt, indem er es „„des 
Zeitalters des Augustus würdigt" erklärt."  Was ferner die äussere Be- 
glaubigung des Werkes anlangt, so bemerkt auch Tölken, dass die Verdächti- 
gung eigentlich nur auf Vettorfs noch möglichst vorsichtig ausgedrücktem Ur- 
theil beruhe: Vettorfs, den Köhler selbst wiederholt mit den härtesten Worten 
für einen Betrüger erkläre. Ausführlich wird sodann die Schreibung des Na- 
mens mit NI' gerechtfertigt: „Schon Winckelmann beruft sich auf das Vor- 
kommen derselben Abweichung in unzweifelhaft antiken Steinschriften, besonders 
auf die von Gruter (Index gramm. lit. N) beigebrachten Beispiele, und dass nach 
dem Zeugniss des Stephanus (Paralip. gramm. gr. p. 7 et 8) gerade das Wort 
angelus, ciyysÄug, sich in den Handschriften häufig ny buchstabirt finde, ohne 
Zweifel, weil es so ganz in die lateinische Sprache übergegangen war, dass der 
eigenthümliche griechische Laut des yy sich ganz daraus verloren hatte.   f" 
Andere Beispiele werden aus Franz Elem. epigr. gr. angeführt: ENKAIPOE, 
ENFPAIIÄIII (S. 49), dann namentlich AjvfjjAljjj, EHHNFQAIA] (S. 232) 
gerade aus der Zeit des Pompeius; ferner aus (iuasco Mus. Cap. III, n. 1276: 
 1284-: A12? YÄNKPITCO; dazu endlich eine Münze von Ilion mit 
ANXEIIÄPIE, Mionnet ll, p. 6611-, n. 228. „Ist es zu verwundern, dass zu Rom 
in einem Privatdenkmal dieselbe Verwechselung vorkommt? Ist nicht vielmehr 
gerade diese Abweichung ein neuer Beweis für die Echtheit der Inschrift? Kein 
Fälscher hätte wahrlich einen so leicht zu vermeidenden Fehler gemacht." 
Wenn demnach für die Annahme der Unechtheit des Steines und der In- 
schrift kein zwingender Grund vorliegt (denn auch Stephanfs Bemerkungen 
über den Styl beruhen doch zunächst auf dessen subjectiver Anschauung), frei- 
lich aber auch für die Echtheit kein äusserer thatsächlicher Beweis geliefert 
werden konnte, so bleibt bloss noch ein Wort über die Bedeutung der Inschrift 
Zu sagen übrig. Tölken nämlich bemerkt: „Die Stelle, welche der Name, 543 
zum Siegeln unter dem Bilde rückläufig geschrieben, einnimmt, bürgt dafür, 
dass hier nicht der Künstler, sondern derjenige gemeint ist, der dasselbe als 
theures Andenken bei sich trug. Ja die Vermuthung, dass dies eben jener 
Agathangelus sei, dessen der gleichzeitig gefundene Grabstein gedenkt, liegt so 
Brunn, Geschichte der griechischen Künstler. II. 2. Aufl. 2-1:
        

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