Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203165
und 
Wirkliche 
Steinschneidcr 
angebliche 
Gemmeninschriften. 
359 
werden soll. Im Gegentheil ist es durchaus Wahrscheinlich, dass der zuerst für 
das Portrait des Solon gehaltene Kopf schon im sechszehnten und siebzehnten 
Jahrhundert nebst der Inschrift copirt worden ist, weshalb von den jetzt be- 
kannten Exemplaren allenfalls nur ein einziges echt zu sein brauchte. Welches 
unter ihnen den meisten Glauben verdient, vermag ich bei den unzulänglichen 
mir zu Gebote stehenden Mitteln allerdings nicht mit Sicherheit zu entscheiden. 
In den verschiedenen Publicationen sind siezmehrfach unter einander verwechselt 
und erst Kühler (S. 123) hat sie sorgfältig unterschieden. 
1) Ein sehr schöner indischer Carneol, in der farnesischen Sammlung zu 
Neapel, mit der Aufschrift COAQNOC; das Untertheil der Buchstaben ist nach 
aussen gewendet; Grösse 0,017 M.: Winck. Descr. IV, 217; [Lippert II, n. 551]; 
Raspe 10737; Cades V, 812. 
2) Ein Oarneol ziemlich von derselben Grösse, früher in der Riccardfschen, 
später in der Poniatowskfschen Sammlung, mit der Inschrift OONCUA OO, die 
Füsse der Buchstaben nach aussen gewendet: Gori inscr. etr. I, t. 2, 3; [Mus. 
flor. II, t. 10, n. 2]; Stosch t. 62; Bracci II, t. 105; Winck. IV, 216 (in diesen drei 
Werken fälschlich als der Ludovisfsche bezeichnet); Raspe 10730; Gades V, 311. 
3) Ein Garneol, bedeutend grösser als die vorigen, soll sich nach Köhlerjetzt 
in der Wiener Sammlung befinden; die Inschrift OONQXXOO mit dem Unter- 
theil nach aussen gewendet: Raspe 10731 nach Köhler, dem dieser Stein der- 
selbe zu sein scheint, welchen F. Ursinus in Kupfer geliefert und Bellori, Gronov 
und La Ghausse aus der barberinischen Sammlung in Kupfer haben stechen 
lassen. 
4-) Ein sehr flach geschnittener Garneol, etwas schildfürn1ig' geschliffen, 
0,03 M. gross; die Füsse der Inschrift COASBNOC nach innen gerichtet, im 
Besitz des Fürsten Piombino (Ludovisi) in Rom: Raspe 10732 (nach Kühler); 
Gades V, 310. Die Buchstaben sind keineswegs, wie Kühler angiebt, nur flüchtig, 
sondern eher mit einer gewissen Derbheit gegraben. 
Auf Welche Steine sich die Abbildungen bei Baudolet beziehen, lässt sich 
nach dem Auszüge aus seiner Abhandlung nicht beurtheilen.  Die Frage nach 
dem Namen des dargestellten Mannes lasse ich unberücksichtigt. Ihn von dem 
auf dem pariser Amethyste des Dioskurides dargestellten zu unterscheiden, wie 
Kühler will, sehe ich keinen hinlänglichen Grund, da die Abweichungen sich 
aus der Verschiedenheit der künstlerischen Auffassung erklären. 
Dass die genannten vier Exemplare sammtlich echt seien, ist allerdings 
wenig glaublich. Den wiener Stein kenne ich nicht einmal aus einer Abbildung. 
Nach Kühler S. 125 besitzt das Gesicht Leben und kräftigen Ausdruck, und 
was dem Ganzen an Beendigung abgeht, wird durch Freiheit der Ausführung 
zum Theil ersetzt. Auffällig ist, dass die Inschrift auf dem Stein rechtläufig 523 
steht: ein Bedenken, welches sich bei dem Biccardfschen Exemplar wiederholt, 
auf dem ausserdem die Form des A möglicher Weise von dem altern Kupfer 
des Ursinus entlehnt sein könnte. Auch steht das Ohr nach Kühlers Bemerkung 
falsch, wie überhaupt die Arbeit am charakterlosesten ist. Als den Vorzüg- 
lichsten unter allen vier Steinen betrachtet Kühler den neapolitaner: „Alles, so- 
wohl das Gesicht als das Haar, ist mit eben so viel Geschmack als Fleiss be- 
endigt"; während dem Piombindschen erst die dritte Stelle angewiesen wird.
        

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