Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203151
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Die 
Gemmenschneider. 
könnte, so dürfen wir nach so manchen Erfahrungen über Köhlefs Urtheils- 
Sprüche wohl fragen, Wodurch sie sich als unecht zu erkennen gebe. Wir 
erhalten darauf die Antwort: „weil kein alter Künstler in den groben Fehler 
je hätte fallen können, zu Anfange des Namens ein]? und am Ende ein Ij zu 
setzen." Auch dieser Satz liesse sich zu der Behauptung umdrehen, dass vor 
einem solchen Fehler sich gerade ein moderner Fälscher besonders gehütet haben 
würde, während ähnliche Unregelmässigkeiten im Alterthum mindestens nicht 
unerhört sind, indem wir z. B. in der Inschrift des Eutyches "Y und V finden. 
Dazu ist aber in dem letzten Buchstaben, obwohl er sich der Form des E sehr 
annähert, diese Form keineswegs entschieden ausgedrückt, sondern scheint mehr 
aus einer gewissen Flüchtigkeit entstanden, wie denn überhaupt die ganze In- 
schrift nichts von jener Sorgfalt und Eleganz an sich hat, welche sonst von 
Köhler und Stephani als besondere Kennzeichen neueren Ursprungs angegeben 
werden. 
Hinsichtlich des Diomedes wollen wir zunächst Köhlerls Annahme einmal 
einfach gelten lassen, dass ein Zeitgenosse von Stosch und Sirleti denselben 
Gegenstand wiederholt habe, und dass die Abdrücke bei Lippert u. A. von dieser 
Wiederholung genommen sein können (S. 137). Was ist jedoch dadurch be- 
wiesen? Die weit ältere Erwähnung der Namensinschrift bei Chaduc bleibt da- 
durch völlig unberührt und ihre Auctorität zu beseitigen, hat Köhler auch nicht 
den Schein eines Arguments beigebracht. Eben so wenig durch einen Beweis 
unterstützt ist die Behauptung Stephanfs (Angebl. Steinsch. S. 199), dass man 
schon am Anfange des siebzehnten Jahrhunderts die Inschrift eingeschnitten 
526 habe: es sei dies für jene Zeit eine ganz vereinzelte Erscheinung, die zunächst 
ohne jede weitere Folge geblieben sei. 
Der Name bei dem Mäcenaskopfe endlich soll auf eine uns nicht mehr 
neue, aber eben so haltlose Weise beseitigt werden: „In jener (des Ursinus) 
Zeit der Vorliebe für Bildnisse berühmter Männer war es nicht zu verwundern, 
dass man wünschte, die Gesichtszüge des Solon aufzufinden. Dieses Verlangen 
ward befriedigt dadurch, dass jemand den Namen Solon einer Gemme beifügte, 
der man den Kopf eines unbärtigen Alten eingeschnitten hatte und welche aus 
Orsini's Sammlung erwähnt worden ist": S. 126. Leider gehört nur gerade der 
Name des Solon zu den am unglücklichsten gewählten der ganzen Sammlung 
des Ursinus, und es wäre schwer zu begreifen, wie man selbst in jener Zeit 
darauf verfallen, den Kopf so zu benennen, wenn man die Inschrift nicht be- 
reits auf ihm vorgefunden hätte. 
Jede der drei vorangestellten Thatsachen für sich allein ist also geeignet, 
gegen das Ziel der Köhlefschen Kritik die gegründetsten Zweifel zu erwecken; 
und um so mehr müssen sie in ihrer Vereinigung sein ganzes System haltlos 
erscheinen lassen. Die weitere Bemerkung gegen die Möglichkeit der Annahme 
eines Steinschneiders Solon: "dass die Griechen zu grosse Verehrung für ihre 
alten Heroen hegten, als dass sie gewagt hätten, die Namen derselben ihren 
Kindern zu geben" (S. 128), bedarf keiner weitern Widerlegung: es genügt ein 
Blick in Pape's Wörterbuch. Wir halten demnach an der Existenz eines an- 
tiken Steinschneiders Solon fest, wodurch natürlich den weiteren Untersuchungen 
über die einzelnen mit seinem Namen bezeichneten Steine nicht vorgegriffen
        

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