Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1203082
angebliche 
und 
WVirkliche 
Steinschneider 
Gennneninsehriften. 
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ist nicht unmöglich, dass der Name selbst aus dieser Quelle nur auf indirectem 
Wege hervorging, indem der Künstler, welcher den Stein des Grafen Gaimo 
schnitt, vielmehr aus den Papieren des Pirro Ligorio schöpfte. Aus diesen näm- 
lich sehen wir im Jahre 1781 eine Inschrift hervorgehen, welche anfängt: G. Coi- 
lius G. lib. Ismenias Kaelator   (Gudius p. 213, 9); und der Steinschneider 
oder sein gelehrter Gehülfe las dort vielleicht mit Recht oder Unrecht, nicht 
Coilius, sondern COIJVTÜS." Man muss bedauern, dass so viel Scharfsinn nicht 
auf eine bessere Sache verwendet worden ist: denn hier dient er nur, gegen 515 
die Richtigkeit des ganzen Raisonnements Verdacht zu erwecken. Erweisen sich 
demnach alle Gründe gegen die Echtheit als unzulänglich, so muss dagegen 
der Umstand, dass die Inschrift zuerst falsch gelesen ward, für dieselbe sprechen : 
denn ein Fälscher würde wenigstens für die Richtigkeit der Lesung gesorgt 
haben. Endlich aber dürfen wir nicht übersehen, dass der Stein schon von 
Maffei publicirt worden ist, also zu einer Zeit, in welcher auch nach Köhler und 
Stephani die Fälschung von Künstlerinschriften kaum noch begonnen hatte. 
Mit der Inschrift KOINOY wird ausserdem nur noch ein Augustuskopf 
auf einer Stoschischen Schwefelpaste von Raspe 11053 (Cades V, 266) ange- 
führt, für dessen Echtheit ich nicht einstehen mag. Von vorn herein verdächtig 
sind dagegen die Steine mit der Inschrift KOIMOY; denn dieser Name ist, 
wie Letronne (Ann. dell' Inst. XVII, p. 266) nachweist, ungriechisch, und ausser- 
dem liegt die Quelle der Fälschung in der falschen Lesart des zuerst behan- 
delten Steines offen vor uns. Von dieser Art ist ein Sardonyx von ausser- 
gewöhnlicher Kleinheit mit dem Bilde eines Satyrs in lebhafter Bewegung, den 
zuerst Natter als in seinem Besitz befindlich bekannt machte: Methode pl. 22; 
Bracci II, t. 55. Die Lesung der Inschrift KOIIWOY ist zwar zweifelhaft: „pour 
moi je ne voudrais ni souscrire a cette conjecture, ni la combattre, parce que 
ces characteres sont si petits et si endomages par le temps, qu'il est presque 
impossible de les dechiffrer", sagt Natter, und so könnte, die Echtheit voraus- 
gesetzt, auch wohl KOINOY auf dem Stein gestanden haben. Aber die Figur, 
fast ganz dem Satyr des Pergamos entsprechend, gehört zu denen, die 1nehr- 
fach zu Fälschungen benutzt worden sind; und so mag der Verdacht, den schon 
Bracci (II, p. 5) aussprach, dass die Inschrift ein moderner Zusatz sei, wohl 
begründet sein. Ob das Ganze, wie Köhler (S. 182) behauptet, ein Werk Natter's 
sei, der in geschmackvoller Ausführung sehr kleiner Figuren eine grosse Ge- 
läuügkeit besessen, wage ich nicht zu entscheiden. Natter leugnet zwar nicht, 
dass er Gemmen mit griechischen Inschriften selbst gefertigt, aber er stellt ent- 
schieden in Abrede, dass er je eine dieser Arbeiten selbst für antik ausgegeben 
oder als antik verkauft habe (Methode, pref. p. XXX).  Endlich ist durch Vis- 516 
conti (Iconogr. gr. pl. 17, 2) ein Garneol aus dem Besitz des ltlarquis von Sa- 
linas bekannt geworden: Pythagoras sitzend, die auf einer Säule vor ihm liegende 
Kugel berührend, neben der Säule KOIBLTOY. Die Darstellung möchte leicht 
von der auf derselben Tafel abgebildeten Münze entlehnt sein. Dazu kömmt 
aber weiter, dass nach Clarac p. 81 die Steine der angeführten Sammlung hin- 
sichtlich ihrer Echtheit überhaupt wenig zuverlässig sind. 
Mykon. 
Schon Faber in der Vorrede zu den Illustrium iinagines des Ursinus (p. 4-) er-
        

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