Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202989
und 
Wirkliche 
Steinschneider 
angebliche 
Gemmeninschriften. 
341 
Eutyches. 
Ein blassgefärbter Amethyst, grösser als die gewöhnlichen vertieft geschnittenen 
Steine, früher in der Sammlung Salviati, dann Golonna, später im Besitz des 
Fürsten Avella zu Neapel, zeigt das sehr vertieft geschnittene vorwärts ge- 500 
wandte Brusthild der Athene. Der Helm ist unten mit zwei Widderköpfen, oben 
mit zwei Greifen, die Brust mit der Aegis geschmückt; die Haltung des linken 
Armes erinnert an die Minerva Giustiniani, nur dass die Hand mehr erhoben, 
der Elnbogen schärfer gebogen erscheint. Daneben findet sich die Inschrift: 
6 1T YÄTH C 
ÄIOUKO YPIA O Y 
AIIEQIIOC  
Stosch t. 34-; Bracci Il, 74; Gades I, H, 25; Müller u. Oesterley Denkm. II, 206. 
Das Alter des Steins und die Vortrefflichkeit der Arbeit sind allgemein an- 
erkannt. Dagegen behauptet Köhler S. 149, dass "diese schöne Gemme leider 
durch die Aufschrift, deren Neuheit auffallend sei, verunstaltet worden." Die 
Gründe, welche er dafür anführt, sind folgende: l) gäbe es keine echten Gemmen 
mit dem Namen des Dioskurides; 2) „man hatte die Absicht gehabt, den Dios- 
kurides zu einem Bürger von Aegä in der blühenden Landschaft Aeolis zu 
machen, allein aus Unwissenheit verwandelte der Verfätlscher den Vater seines 
neugeschaffenen Künstlers in einen Bürger von Aegeae in Gilicien, einer Land- 
schaft, die sich durch hellenischen Sinn, Denkart und Kunst nie ausgezeichnet 
hat." Dazu sei die Form AIIBAIOC sprachwidrig und kaum in Gilicien zu 
dulden; und die Abkürzung BP widerstreite der Gewohnheit der Zeit des Dios- 
kurides; 3) sei unser Brustbild ein im grossen Geschmacke erfundenes und aus- 
geführtes gänzlich manierloses Werk und zeige mit Werken aus dem Zeitalter 
des Augustus nicht die geringste Aehnlichkeit. Endlich 4-) erwecke es Ver- 
dacht, dass diese Gemme plötzlich zur Zeit des Stosch zum Vorschein gekommen 
sei. Eine ausführliche Widerlegung dieser Behauptungen hat bereits Tölken 
in seinem Sendschreiben an die petersburger Akademie S. 24- fgde. gegeben. 
Was den Namen des Dioskurides anlangt, so kann ich mich hier auf den Ar- 
tikel über diesen Künstler so wie auf den späteren über Herophilos beziehen. 
Die Richtigkeit der Form AIIICAIOC Weist Tölken factisch aus Münzen nach 
und auch sprachlich wird sie im G. I. 7192 vollkommen gerechtfertigt. Die an 
sich keineswegs unverständliche Abkürzung CF konnte einzig durch den Mangel 
an Raum bedingt sein. Und warum sollte nicht in Aegeae ein Meister der 
Steinschneidekunst wie Eutyches geboren sein können, da doch aus dem be- 
nachbarten Soli zwei berühmte Griechen, der Dichter Arat und der Stoiker Chry- 
sipp, stammen? Eben so unzulänglich ist Köhler's Bemerkung über den Styl. 
Offenbar liegt der Athene des Eutyches ein berühmtes Werk der Sculptur zu 
Grunde. Wissen wir aber nicht, dass gerade in der augusteischen Periode ältere 
Werke in grossem Style und völlig manierlos copirt wurden? So bleibt nur 
der gegen Stosch geschleuderte Vorwurf übrig, den Tölken gleichfalls zu ent- 
kräften versucht hat. Seitdem ist dies aber in noch schlagenderer Weise durch 
unerwartete Zeugnisse aus älterer Zeit geschehen, welche dazu den inneren 
Gründen Tölken's für, die Echtheit der Inschrift die schönste äussere Bestäti- 
gung gewähren. De Rossi hat nämlich in den Scheden des Gyriacus von An-
        

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