Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202947
und 
Wirkliche 
angebliche Steinschneider in 
Gemmeninschriften. 
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die Abweichung in der Anordnung des Haares, dessen Umriss auf der Fläche 
des Reliefs nicht zusammengehalten ist, sondern sich in einzelne Partieen auf- 
löst, erscheint mehr modern als antik; eben so der in der Statue mangelnde 
herabhängende Theil der Ghlamys. Ganz ungeschickt wird das Schwert, statt 
wie der Caduceus im Arm zu ruhen, hinter den Arm gehalten. Wenn nun aber 
die ganze Figur darauf angelegt ist, dass der rechte Arm in die Seite gestützt 
sein soll, so ist nicht nur dieses Motiv gänzlich verkannt, indem die Rechte 
auf den hochgestellten Schild gelegt ist, sondern dieser Arm ist auch in der 
Ausführung vollständig missglückt; und es wird schliesslich nur noch der Hin- 
weisung auf das unklar und überladen disponirte Beiwerk bedürfen, um die 
Ueberzeugung zu begründen, dass der Stein mit Hülfe der fragmentirten 
Statue, also in neuerer Zeit gearbeitet ist.  Eine Replik des Steines nebst  
der Inschrift, ein Garneol, einst dem Museum Medina zu Livorno (n. 111), später 
dem Herzog von Marlborough angehörig, ist nach Bracci (II, p. 27) eine Arbeit 
des Flavio Sirleti, oder nach Raspe 8868 des Torricelli oder Natter. 
„Lippert (III, N. 324-) giebt eine liegende Leda auf einem Garneole für 
eine Arbeit des Dioskurides aus, weil dessen Name unten im Abschnitt stehe. 
Dass letzterer von neuerer Hand herrühre, ist unnöthig zu erinnern. Dasselbe 
gilt auch von der Vorstellung": Köhler S. 161. 
"Casanova (Discorso sopra gli Antichi p. III) erzählt, dass er zu Rom einen 
schönen Cameo mit dem Kopfe des Caligula gesehen, in den nachher der 
Händler Amidei den Namen des Dioskurides von Pichler hatte einschneiden 
lassen, der ihn dann um das Vierfache des vorher dafür geforderten Preises 
verkaufte": Köhler S. 161. Dazu bemerkt Stephani S. 329, dass „dies offenbar 
derselbe Stein sei, den Winckelmann bei Jenkins (Werke II, 188) und dann 
bei General Wallmoden (V, 127; VI, 236) sah. Auch er kannte den modernen 
Betrug, so wie nach Raspe's Zeugniss (n. 11288) der Besitzer." Abdrücke auch 
bei Gades V, 370. 
Unter den Cadesschen Abdrücken finden sich zwei fragmentirte Steine: 
III, A, 16, ein Amethyst der Beverlefschen Sammlung, darstellend den untern 
Theil des gewöhnlich Iole oder Omphale genannten Kopfes; vor dem Hals die 
Inschrift AIOCKOYH PldC) Y; ferner III, A, 257 als Hercules und Omphale ge- 495 
deutet, aber wohl richtiger das Fragment eines hermaphroditischen Symplegma, 
davor AIO(ÜKOY.   Die Arbeiten machen durchaus den Eindruck moderner 
Eleganz und ungewöhnlich ist ausserdem bei dem ersten Fragmente die Ver- 
theilung des Namens in zwei Zeilen. 
Da ferner noch keine abgekürzte Künstlerinschrift auf Gemmen als echt 
nachgewiesen worden ist, so muss auch überall, wo der Name des Dioskurides 
abgekürzt erscheint, jeder anderweitige Zweifel gegen die Echtheit doppelt in 
die Wagschale fallen. Aus diesem Grunde, so wie aus dem weiteren, dass in 
gleicher Weise auch orthographische Fehler unsern Verdacht erregen müssen, 
werden wir alle folgenden Steine nur kurz zu besprechen nöthig haben. 
Ein Aquamarin mit dem Bilde eines Giganten und der Inschrift AIOC 
Ward im Jahre 1720 von Grozat an Zanetti geschenkt; später kam er aus der 
Sammlung des Prinzen Eugen in die Worsleysche: Gori Zanetti t. 38; Bracci II, 
t. 67; Raspe 996; Cades I, A, 101; Mus. Worsl. t. 29, 1; Köhler S. 99. Nach 
Brunn, Geschichte der griechischen Künstler. II. 2. Auii. 22
        

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