Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202760
Die 
durch 
schriftliche 
Nachrichten 
des 
Alterthums 
bekannten 
Steinschneider. 
Ueber den Erfinder der Kunst, Gemmen zu schneiden, schweigt selbst die 
in ähnlichen Beziehungen sonst so geschäftige Sage der Hellenen. Dass sie 
schon in alter Zeit an einem der Hauptsitze altgriechischer Kunstthätigkeit aus- 
geübt wurde, lehren einige vereinzelte Nachrichten. Mnesarchos, der Vater 
des Philosophen Pythagoras, war ein Gernmenschneider, der seine Kunst noch 
mehr des Ruhmes als des Gewinnes wegen geübt haben soll; und da Pytha- 
goras seine Heimath Samos bald nach dem Tode seines Vaters und im Beginne 
der Tyrannis des Polykrates heimlich verliess, so fällt die Thätigkeit des Mne- 
sarchos ziemlich mit der Blüthe der samischen Erzbildner-Schule (O1. 50-60) 
zusammen: Diog. Laeirt. VIII. I; Appul. Flor. II, p. 421 ed. Vulc. Theodoros. 
der Hauptvertreter derselben, scheint sogar neben manchen anderen Kunst- 
fertigkeiten auch die des Steinschneidens besessen zu haben, sofern nämlich 
der Ring des Polykrates sein Werk und der Stein, der ihn zierte, mit einem 
Bilde versehen war. Diese vielfach erörterte Frage ist zuletzt von Urlichs in 
dem Aufsatze über die älteste samische Künstlerschule (Rhein. Mus. N. F. X,  24;; 
behandelt worden, und es scheint mir am angemessensten, seine Worte hier 
vollständig mitzutheilen: 
„Dass die echtere Tradition den Ring für ein geschnittenes Siegel hielt, 
scheint mir auch trotz der Einwendungen Lessings ausgemacht zu sein. Plinius 
freilich giebt an zwei Stellen an, der Stein des Polykrates sei ein Sardonyx, 
und zwar ein ungeschnittener, gewesen. XXXVII, 4: Sardonychem eam gemmam 
fuisse constat ostenduntque Romae, si credimus, in Concordiae delubro cornu 
aureo Augustae 1) dono inclusam et novissimum prope locurn tot praelatis ob- 
tinentem; ib. 8: Polycratis gemma qnae demonstratur intacta illibataque est. 
Es gab also in Rom einen aus Samos herrührenden Sardonyx von besonderer 45g 
Grösse und Schönheit, welchen die Römer für den Stein des Polykrates hielten. 
Dieser war weder geschnitten noch gefasst, zeigte also auch von der goldenen 
Einfassung des Theodoros, die Herodot III, 4-1 erwähnt, keine Spur. Denn die 
erste Stelle des Plinius erklärt Lessing sehr wahrscheinlich von einem Füllhorne 
der Goncordia, woran dieser Edelstein mit anderen zusammen als Verzierung 
angebracht war. Strabo scheint ihn nicht gekannt zu haben, was uns nicht 
Wunder nehmen darf, da er erst im J. 10 n. Ghr., also nach dem Aufenthalte 
des Geographen in der Hauptstadt, in den Tempel gebracht wurde. Nun be- 
richtet aber Strabo XIV, p. 638, der Stein sei kostbar und geschnitten gewesen; 
einen smaragdenen Siegelring nennt ihn Herodot, der auch I, 195, wo er die 
ogopqyiöag der Babylonier erwähnt, das Wort in seiner eigentlichen Bedeutung 
gebraucht, eben so Paus. VIII, 14, 8 und Tzetzes Chil. VII, 127. Ja Glemens 
1) „S0 ist gewiss mit cod.Ban1b. zu lesen, nicht Augusti, wie Billig schreibt. Denn 
Augusta ohne Zusatz heisst Livia auch Xlll. 94 und XV z. E. Sie war es aber, welche 
den von Tiberius erbauten Tempel einweihte (Ovid. fast. Vl. G37), folglich wird sie ihn 
auch durch jenes Geschenk verherrlicht haben."
        

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