Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202725
Flinleitung. 
315 
Im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts (1712) führte Baudelot de Dairval 
zuerst in einem Briefe und später in einer Abhandlung die Hypothese des Her- 
zogs von Orleans aus, dass der Name des Solon neben dem schon durch Ur- 
sinus bekannten Kopfe nicht auf die dargestellte Person, sondern auf den 
Künstler zu beziehen sei; und zu gleicher Zeit richtete sich auch in Italien die 461 
Aufmerksamkeit auf Gemmen mit Künstlernamen. Eine grössere Zahl derselben 
befand sich damals in den Händen des Florentiners Andreini vereinigt, der 
wenigstens in Italien zuerst die Bedeutung dieser lnschriften erkannt hatte (Gori 
Columb. libert. Liviae p. 154-). Von seinen elf bei Gori angeführten Steinen 
sind allerdings wen einem abgesehen, der nicht weiter bekannt geworden ist) 
nur fünf echt, und eben so-viele verdächtig. Aber wenn es hiernach sich schwer 
entscheiden lässt, 0b Andreini selbst des Betruges anzuklagen ist oder 0b er 
nur, namentlich durch den gleichzeitigen Steinschneider Flavio Sirleti, betrogen 
ward, so steht doch jedenfalls fest, dass die Fälschung bereits begonnen hatte, 
noch ehe das Werk von Stosch erschienen war, in dem zuerst die Gemmen mit 
Künstlerinschriften aus den verschiedensten Sammlungen Europa's zusammen- 
gestellt wurden (1721). Dass darin Echtes und Unechtes vielfach gemischt er- 
scheint, kann uns bei dem damaligen Zustande der Kritik nicht Wunder neh- 
men. Von diesem Zugeständniss ganz unabhängig ist aber die Frage, ob Stosch 
selbst für die Existenz der unechten Steine verantwortlich zu machen, 0b die 
Fälschungen als auf seinen Antrieb veranstaltet zu betrachten sind. Dass dies 
der Fall sei, behauptet Kühler: ihm ist die einfache Thatsache, dass ein Stein 
zuerst „zur Zeit des Stosch" bekannt wurde, Grund genug, seinen Ursprung zu 
verdächtigen. Um ein möglichst unbefangenes Urtheil über diese Behauptung 
zu gewinnen, wird es nicht überflüssig sein, eine einfache statistische Uebersicht 
über das Stoschische Werk zu geben. Es enthält 70 Gemmenbilder auf eben 
so vielen "Tafeln. 30 davon werden schon vor Stosch erwähnt 1). Mehrere an- 
dere waren offenbar schon vor seiner Zeit in verschiedenen Sammlungen vor- 
handen: 17, 57, 62 (Piombino, autrefois appartenant a la maison Buoncompagni); 
60. 64- (feu senateur Gerretani); 25 (s. unter Dioskurides). Nicht verantwort- 
lich ist Stosch zu machen für 46, 54-, 68 in Andreinfs Besitz. Eine Tafel, 48, 
ist gegen des Herausgebers Willen in das Werk aufgenommen. Als echt, wenn 
auch nicht als Gemmen mit Künstlernamen, bezeichnet Köhler selbst: 21, 4-4, 462 
58, 69; Stephani vertheidigt ferner: 2, 18, 35, 43; ich selbst glaube ausserdem 
als echt nachgewiesen zu haben: 1, 4, 19. Nach Abzug dieser 51 Nummern 
bleiben also noch neunzehn mehr oder weniger verdächtige Steine übrig, von 
denen wir durch Stosch zuerst Kunde erhalten. Sie vertheilen sich nach den 
Sammlungen folgendermaassen: 
1 in Paris: Stier des Hyllos, T. 40. 
1 in Wien: Theseus des Philemon, T. 51. 
3 in Florenz: Aesculap des Aspasios, T. 14; Reiter des Aulos, T. 15; zwei 
Figuren auf einem Panther von Karpos, T. 22. 
2 in Parma (Farnese): Perseus des Dioskurides, T. 30; Meerpferd von 
Pharnakes, T. 50. 
der 
31, 
Kürze wegen nur die Nummern der Tafeln: 3, 
32, 33, 34, 37, 38, 39, 42, 45, 47, 49,  55,
        

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