Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199232
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1202689
Einleitung. 
schrift, namentlich dann, wenn sie auf fragmentirten Steinen so angebracht ist, 
dass sie die Absicht verräth, ein Gleichgewicht der Theile des Fragments, nicht 
aber des Steins in seinem ursprünglichen, vollständigen Zustande herzustellen. 
Vom Standpunkte der praktischen Erfahrung aus lässt sich sogar dieser Satz 4-55 
dahin erweitern, dass fragmentirte Steine mit Inschriften allerdings keineswegs 
unecht sein müssen, aber dass sie doch stets mit besonderer Vorsicht aufzu- 
nehmen sind. Das Ganze mag nicht selten unter der Hand des Fälschers wenig 
nach Wunsch ausgefallen sein, während ein Stück die nöthigen Eigenschaften 
zu besitzen schien, um es für alt auszugeben. Zu einer absichtlichen Verstüm- 
melung zu schreiten, mochte man dann um so weniger Anstand nehmen, als 
der fragmentirte Zustand von den Verkäufern nicht selten" gerade als eine Ge- 
währ der Echtheit scheint geltend gemacht worden zu sein. 
Da natürlich die Inschrift modern sein muss, sofern sich die Neuheit der 
ganzen Arbeit des Steins nachweisen lässt, so muss sich die Kritik auch auf 
die bildliche Darstellung ausdehnen. Die allgemeinen Gesetze dieser Kritik sind 
für alle Denkmäler dieselben: was an einer Statue, einem Belief in Zeichnung, 
Modellirung", in der Composition, in der ganzen Auffassung und Denkweise als 
unantik gelten muss, ist es natürlich auch an einem geschnittenen Steine, und 
es brauchen daher die Gesetze dieser Kritik hier nicht im Einzelnen erörtert 
zu werden. Dagegen erscheint es durchaus angemessen, wenn Stephani S. 194-, 
wie schon bei Gelegenheit des Schnittes der Buchstaben, so jetzt in Betreff der 
Behandlung der Bilder wiederum hinweist auf „jene Sicherheit und Energie des 
Geistes bei der Auffassung der Form sowohl, als bei der von dieser abhängigen 
mechanischen Ausführung, deren Mangel sich bald als Aengstlichkeit und Un- 
entschiedenheit nach jeder Seite hin äussert, bald als äussere glatte Eleganz 
in den allgemeinen Formen, aus welcher Flachheit und Unklarheit in der 
Auffassung der besonderen Theile durchleuchtet, bald endlich als fein be- 
rechnete und vollkommen regelrechte Consequenz oder sogenannte Correctheit, 
welche sich selbst auf alle Nebendinge bis zu ihren letzten Gliedern erstreckt."  
Der rein mechanischen Qualität des Schnittes wird für die Beurtheilung 
der Echtheit von Stephani kaum irgend ein Gewicht beigelegt, da das mecha- 
nische Verfahren der ausgebildeten Steinschneidekunst im Alterthum in allem 
YVesentlichen dasselbe gewesen, wie in neuerer Zeit (S. 195). Sollten aber auch 
gewisse feine Unterschiede existiren, so werden sich dieselben nur durch die 456 
gründlichste Kenntniss der Technik und eine umfassende Vergleichung alter 
und neuer Steine im Original nachweisen lassen. Fruchtbringender möchte es 
sein, die Aufmerksamkeit auf einen andern Punkt zu lenken, nämlich die Unter- 
suchung der Oberfläche der geschnittenen Steine selbst, indem ich mich dabei 
auf das Zeugniss einer an praktischen Erfahrungen in der Gemmenkunde reichen 
Sammlerin, der verstorbenen Frau Mertens-Schaaffhausen berufe. Von einer 
Patina im eigentlichen Sinne des Wortes lässt sich allerdings bei den Gemmen 
nicht sprechen; doch soll auch auf sie die Wirkung der Zeit nicht gänzlich 
ohne Einfluss sein; und zwar in der Weise, dass sich selbst an den am besten 
erhaltenen Steinen des Alterthums bei sehr starker Vergrösserung (wie sie für 
mineralogische Untersuchungen gebräuchlich ist) auf der ganzen Oberfläche des 
Steins eine gelinde Gorrosion zeigt, kaum so stark, dass sie den Glanz der
        

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